Was ist normal #2

Eine kleine Geschichte aus meinem Leben. Heute nach Feierabend werfe ich meine Sportsachen ins Auto und fahre los. Voller Motivation wieder mein Hantel-Pensum zu erfüllen.

Ich trainiere seit 4 Jahren und habe meinen Körper vom Hemd zu dem eines Mannes gestählt. Gut für Selbstvertrauen und Gesundheit.

Fuß ins Gaspedal. Nie wieder will ich schwach, nie wieder dicklich sein.

Mein Fitnesstudio liegt in der Innenstadt. Feierabendverkehr und Straßenarbeiten bremsen meine Fahrt gnadenlos aus. Im Schneckentempo krieche ich dem Ziel entgegen.

Viele, die sich mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen, würden bei solchen Gelegenheiten sagen, dass es wichtig ist, die Situation zu akzeptieren und Ruhe zu bewahren. Das ist richtig und wahr. Aber ich verliere recht selten meine Ruhe und rege mich auf.

Meine Baustelle liegt woanders.

Sobald der Verkehr zum Stehen kommt, beginnen meine Gedanken zu wandern. Mir kommt eine Email in den Sinn, die ich ein paar Stunden vorher an einen Kunden geschrieben hatte.

In die email waren ein paar Zitate eingebaut. Ich hatte die Zitate in Anführungszeichen gesetzt. Jetzt beginne ich darüber nachzudenken, ob es nicht besser gewesen wäre, sie kursiv zu machen.

Mein Kopf beisst sich darin fest, erwägt das für und wider. Sehen kursive Zitate nicht weit besser aus? Wären meine Chancen auf den Auftrag vielleicht höher gewesen? Sind Anführungszeichen überhaupt noch modern?

Fast 20 Minuten lang bin ich in einem endlosen Gedankenwirbel um kursive Zitate und Zitate in Anführungszeichen gefangen. Ich nehme kaum etwas um mich herum war, vergesse meine Umgebung, vergesse, wie schön der Tag ist, vergesse mich selbst.

Bis ich im Parkhaus meinen Fuss aus dem Auto setze und merke, wie es mir schon wieder passiert ist.

Wie es mir schon wieder passiert ist, dass ein kleiner Gedanke Besitz von mir ergriffen und mich beherrscht hat.

Ich muss laut loslachen über dieses lächerliche Kopfkino. Ein Mann einige Autos weiter dreht sich um und denkt, dass ich wahrscheinlich nicht besonders normal bin.

Was hat diese kleine Geschichte in einem Pickup Blog verloren?

Es ist unnormal ständig im Kopf zu sein. Es ist unnormal seine Aufmerksamkeit Dingen zu schenken, die irrelevant für das eigene leben Leben sind.

In dem Moment, wo dein Verstand dich zu beherrschen beginnt, verlierst du Kontrolle über das Hier und Jetzt, über dich selbst über den Kern dessen was du bist.

Du kannst den ganzen Tag im Kopf gefangen sein. Nachts legst du dich hin und du weißt kaum mehr, was du an diesem Tag erlebt hast. Alles war irgendwie farblos und etwas unwirklich. Und so ist der Tag dahingezogen.

Und für einige Menschen zieht so das ganze Leben dahin. Ihre Gedanken haben eine solche Macht gewonnen, dass die Gegenwart wie im Nebel liegt. Mal dicht, mal etwas dünner. Selten bricht die Sonne durch.

Ich beobachte das besonders stark in meinem Job, bei Männern in ihren 40ern und 50ern. Ihr Beruf hat sie so stark absorbiert, dass sie wie auf Autopilot durch den Tag gehen. Sie tun alles mechanisch und scheinen einfache Dinge wie Essen nicht mehr genießen zu können.

Das sind die Extremfälle. Die abgeschwächten Tendenzen kann man bei vielen angehenden Pickup Artists sehen, gerade mit naturwissenschaftlichen oder technischem Hintergrund.

Welche Bedeutung hat das im Umgang mit Frauen?

Nun, wenn du ein Gutteil deiner Zeit im Kopf verbringst, wirst du auch im Set leicht in den Kopf abdriften. Und die Frau wird es merken.

Frauen empfinden Männer, die ständig um ihre kleinen Gedanken kreisen, als „irgendwie komisch“ und können sie nicht recht ernst nehmen.

Frauen lieben Wachsamkeit und Präsenz bei Männern. Die Fähigkeit mit der Situation umzugehen, auf einer intuitiven, vom Verstand gelösten Ebene (einige nennen das State). Die Fähigkeit in der Situation wach zu sein, zeigt wie wach du im Leben bist. Es verrät ihr, wie du das Leben erlebst und wie das Leben dich schließlich behandeln wird.

Für die stark kopflastigen unter uns: Den Verstand abzuschalten und aus dem Kopf zu kommen, ist etwas, das man üben kann. Es wird dein Leben möglicherweise mehr bereichern, als alles was du jemals versucht hast.

Ich stelle hier eine Übung vor. Wer sich näher mit diesem Thema beschäftigen will, dem sei zB „The Power of Now“ von Eckhart Tolle ans Herz gelegt.

#Übung: Wenn du irgendwo wartest oder auch vor dem Schlafengehen, beobachte deine Gedanken. Werde dir bewusst, wieviel Unrat den Tag über durch deinen Kopf geistert. Beobachte nur und leiste keinen Widerstand. Du kannst den Kreislauf nicht einfach durchbrechen. Aber du kannst dich trainieren, deine Gedanken weniger Ernst zu nehmen. Wenn ein Gedanke immer wieder kommt und dich belästigt, mach dich über ihn lustig : “Ach, du kleiner häßlicher Gedanke bist schon wieder da. Du bist noch häßlicher als Camilla Mountbatten-Windsor. Aber du kannst trotzdem bei mir bleiben. In meinem Kopf ist genug Platz für dich kleine häßliche Kreatur”. Gedanken weniger ernst zu nehmen entzieht ihnen Macht und ist ein wichtiger Schlüssel.

Es ist eine lange Reise und fordert hartes Training. Aber ich verspreche dir: Sobald du lernst, deinem Verstand die Kontrolle zu entziehen, wirst du spielerischer und mit größerer Leichtigkeit an alle Dinge in deinem Leben herangehen. Frauen werden spürbar positiver auf dich reagieren.

Schweiger

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Ein Gedanke zu “Was ist normal #2

  1. über die stelle mit dem inneren dialog, ob denn kursiv oder anführungzeichen besser gewesen wären musste ich schon ziemlich lachen.
    aber gleichzeitig is es so wahr.
    man kennt es von SMSen, die man geschrieben hat und wo man sich danach Gedanken über einzelne Worte macht.

    wenn man in so einem gedankenwirbel gefangen ist liegt die kunst darin einfach zu merken, dass man eben grade gefangen ist.

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