Referenzerfahrungen (3): Als Hindernis

„Leider bewahren uns Erfahrungen von gestern auch vor Fehlern, die uns helfen würden, Erfahrungen für morgen zu sammeln.“
© KarlHeinz Karius, (*1935)

Kommen wir noch einmal auf Referenzerfahrungen zu sprechen.

Ich habe sie im ersten und im zweiten Teil dieser kleinen Reihe als etwas Positives dargestellt.
Und das sind sie auch.
Aber nur insofern man richtig mit ihnen umgeht.

Denn schnell können Referenzerfahrungen uns unflexibel, starr, dogmatisch und unbiegsam machen.

Angenommen ihr habt ein Date und ihr küsst die Frau beim 1.Date.
Diese Referenzerfahrung lässt sich nicht unreflektiert auf ein Date mit einer anderen Frau übertragen.
Denn diese andere Frau tickt vielleicht ganz verschieden,
sodass eure Referenzerfahrung euch eher blockiert als dass sie euch weiterbringt.
In diesem Falle wäre euer Kussversuch Frau2 vielleicht viiiiel zu verfrüht.


© Gerd Altmann/ pixelio.de

„Die klassische Psychoanalyse nennt den hier zu diskutierenden Sachverhalt „Übertragung“. Um nichts anderes geht es dabei, als dass ich die Erfahrungen,
die ich gemacht habe, unbewußt in neue Situationen übertrage. Dabei kommt es mitunter zum „Irrtum in der Zeit“: Meine Verhaltensweisen sind unangemessen, weil sie
der aktuellen Situation nicht entsprechen. Die Psyche hat mir einen Streich gespielt. Sie hat in der neuen Situation einige Strukturmerkmale von früher wiedererkannt
und das entsprechende Verhaltensprogramm in Gang gesetzt. Doch das ist unangemessen. Die heutige Situation ist mit der damaligen nicht vergleichbar. Hat sich die Psyche geirrt?“
[Dieter Speck – Kommunikationstraining für den Alltag. Miteinander reden – einander verstehen. (1991: 112)]

Was ihr also auch immer braucht, ist eine gewisse Offenheit (siehe auch: Kleines Experiment (Teil 2)).

Ihr müsst beobachten, was geschieht.
Genau jetzt in diesem Moment.
Wie die Frau sich verhält.
Was sie sagt und was sie tut.
Das funktioniert nur, wenn ihr wirklich gegenwärtig und euch der Interaktion bewusst seid.
Es funktioniert nicht, wenn ihr im Kopf gefangen seid und euch Gedanken über den nächsten Schritt macht.

Es ist falsch Erfahrungen zu verallgemeinern.
Aber wir tun es verdammt gerne.
Vor allem bei negativen aber eben auch positiven Erfahrungen.
Positive Erfahrungen zu verallgemeinern ist natürlich weniger tragisch als dies bei negativen Erfahrungen zu tun (siehe auch: Der Ursprung ).

Letztendlich aber müssen wir versuchen jederzeit offen, frei und zugänglich zu bleiben.

Jede Situation hat ihre eigene Charakteristik.

Von einer Situation auf die andere lässt sich deshalb nur sehr begrenzt schließen.

(So gesehen machen wir durch Erfahrungen von gestern neue Fehler, aus denen neue Erfahrungen entstehen. Wir müssen diesen Prozess aber zulassen und uns nicht an frühere Erfahrungen festklammern.)

– liefner

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