Willenskraft kultivieren

Es gibt zwei Dinge, die ein Mann besitzen muss, um es im Leben zu etwas zu bringen:

Mut und Willenskraft

Mut heißt, die Dinge zu tun, vor denen wir uns fürchten.

Willenskraft heißt, die Dinge zu tun, auf die wir gerade keine Lust haben, von denen wir aber wissen, dass sie gut für uns sind.

(In einigen Situationen tritt natürlich eine Kopplung beider Elemente auf, aber darauf möchte ich hier nicht eingehen.)

Über Mut wurde schon einiges geschrieben in diesem Blog. Nicht weniger wichtig, als sich seinen Ängsten zu stellen, ist es, seine Willenskraft zu kultivieren.

Wir Menschen wollen einfach ständig einen neuen Stimulus, eine kleine bunte Pille, die uns das Hier und Jetzt versüßt. Aber vieles im alltäglichen Leben ist unangenehm und erfordert Überwindung.

Ich habe es gerade wieder gemerkt als ich von zuhause loszog, um vor Einbruch der Dunkelheit einige Runden im Park zu laufen.

D.h. nicht einige, sondern genau drei. Drei Runden. Das hatte ich mir vorgenommen.

Und ich war gut motiviert, als ich loslief.

Aber ich kenne mich. Motivation ist bei mir nur von kurzer Dauer. Bevor ich überhaupt den Park erreicht hatte, war meine Lust auf Null gesunken. Ich wußte genau, was nun beginnen würde; Eine Endlosschleife aus Ausreden, die mein Kopf erfinden würde, um meinen abendlichen Lauf vorzeitig zu beenden.

  • Ist Laufen überhaupt gesund? Mein Onkel hat Knieprobleme, weil er 10 Jahre Marathon gelaufen ist. Es ist wichtig, das Gleichgewicht zu bewahren und nicht zu übertreiben (wie lächerlich ist das? Ich laufe wenn es hochkommt 15 Kilometer die Woche)
  • Habe ich die richtigen Schuhe? Es gibt doch diese neuen Schuhe mit Gelfüllung, die Stöße besser abfangen. Vielleicht sollte ich mir erst solche kaufen und bis dahin aufhören.
  • Ich habe Durst. Es ist nicht gesund zu laufen, wenn man Durst hat. Dadurch werden die Zellen dehydriert und man braucht bis zu 48 Stunden, um wieder voll leistungsfähig zu sein. Ich sollte meinen Körper respektieren und schonen.
  • Ich habe schon Seitenstechen. Wahrscheinlich gibt es morgen Muskelkater. Dann bewege ich mich morgen komisch auf der Arbeit
  • ….

Ich kann nicht jeden Schwachsinn aufzählen, der in diesen dreißig Minuten durch meinen Kopf zog.

Wie geht man damit um? Der stärkste Mechanismus gegen geistige Impotenz ist Bewusstheit. Bewusstheit ist der Schlüssel, um Schwäche zu überwinden und Willenskraft zu kultivieren.

Ich trete aus meinem Kopf heraus und beobachte die Gedanken, die mich am Notwendigen hindern wollen. Ich versuche nicht, sie zu verändern.

Ich laufe Schritt um Schritt um Schritt, voller Gleichmut meinem Kopfkino zuschauend.


© Andrea Damm/ pixelio.de

Indem ich zum emotionslosen, nicht bewertendem Beobachter werde, verlieren die Gedanken ihre Macht über mich und meine Handlungen. Die Gedanken sind da, aber wirkungslos. Sie können meinen Lauf nicht stoppen oder verlangsamen.

Als zweiten Schritt kann man beginnen, die Gedanken zu belächeln. Bei vielen Ausreden, die mir in den Sinn kamen, musste ich grinsen und den Kopf schütteln.

“Wirklich?? Das bin ich? Solche Schwäche und Lächerlichkeit wohnt in mir? Nun gut”

Trotz massiven gedanklichen Widerstands gab es in mir nie einen Zweifel, diese drei Runden zuende zu laufen.

Und ja, mein Kopf hatte recht. Mein Durst war gewaltig. Aber lange hat mir nichts mehr so gut geschmeckt, wie das kalte Wasser, mit dem ich mich zuhause belohnte.

Am Ende besteht Erfolg aus vielen kleinen Dingen, die man im Lauf der Jahre getan hat, obwohl man häufig keine Lust dazu hatte. Akzeptiere, dass immer Unlust Schwäche in dir sein wird. Sie ist wie ein Nebel, der sich auf deinen Weg legt. Dicht und feucht manchmal, aber er kann dich nie am Weitergehen hindern.

Schweiger

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