Der Fahrradlay

Mal wieder nach der Arbeit. Ein Tag voller Stress, wo ich morgens keine Milch für meinen Kaffee hatte, wo meine Kunden mich wie Dreck behandelt haben, wo ich im Stau stand, wo der Schornsteinfeger meine Therme für lebensgefährlich erklärt hat. Einfach der Dreck, den das Leben jeden Tag (nagut, fast jeden Tag) auf mich niederregnen lässt.

Ich bin stark angespannt, alle möglichen negativen Gedanken ergreifen Besitz von mir. Ich springe auf mein Fahrrad und fahre Richtung Stadt. Ich will irgendwas machen, um die Negativität zu durchbrechen und meinen Kopf zu befreien. An der Ampel wartet ein Mädchen, auch auf dem Fahrrad. In ihrem Fahrradkorb liegt eine Jacke. Der Wind bläst hinein und lässt einen Ärmel aus dem Korb flattern.

Sie sieht schlank und ganz süß aus. Ich muss sie ansprechen. Irgendwie situativ, für einen direct bin ich nicht in der Stimmung. Ok, ich sage ihr, dass der Wind ihre Jacke rauswehen kann, wenn sie nicht aufpasst.

Schwach und unentschlossen nähere ich mich auf dem Fahrrad. Zu langsam. Sie merkt selbst, dass ihre Jacke in Gefahr ist und hält eine Hand auf den Korb, so dass sie nicht rauswehen kann. Mein Opener wäre also wirkungslos. Die Ampel springt auf grün. Wir fahren beide weiter. Sie hat mich bisher kaum wahrgenommen.

Nächste Ampel rot. Gleiches Spiel. Jacke weht, sie hält die Hand drauf. Und ich scheiß drauf. Nicht auf ihre Jacke, auf mein Kopfkino. Ich bringe einfach mein Fahrrad neben ihres und sage meine „Vorsicht, deine Jacke blablabla“ Line obwohl ich weiß, dass sie es selbst gemerkt hat.

Sie sagt, irgendwas wie, ohja, der Wind ist so stark heute, hihihi. Ich frage wo sie hinfährt, ins Fitnesstudio. Zufällig dasselbe, das ich besuche. Ampel geht auf grün. Wir fahren weiter. Ich brülle ihr irgendwelche Fragen zu, welche Übungen sie machen will usw. Sie erzählt irgendwas. Ich verstehe kein Wort, weil der Wind weht und wir zügig bergab fahren. Ich beschimpfe mich gedanklich selbst, weil ich so verkrampft bin, weil meine Fragen unkreativ sind, weil ich nicht verstehe, was sie sagt.

An der nächsten Kreuzung halten wir wieder. Ich muss nach links sie geradeaus. Natürlich könnte ich weiter mit ihr fahren, aber ich will nicht mehr. Das Set ist nach meinem Empfinden so schlecht gelaufen, dass ich es nicht mehr ertragen kann.

Zum Glück ist mein „close the deal“ Autopilot mittlerweile stark genug, dass ich auch in einer solchen Situation roboterhaft nach der Nummer frage, nur um keine Chance zu verpassen. Zu meinem Erstaunen holt sie ihr Handy raus, gibt mir die Nummer. Die Verabschiedung verläuft sehr schlecht. Wegen der Fahrräder kann ich sie nicht umarmen. Ich gebe ihr meine Hand. Sie ist nasskalt (Stress-Schweiß + Wind). Ich spüre die Creepiness, breche den Augenkontakt frühzeitig ab und fahre einfach weg.

Was für ein Desaster. Nie wieder will ich vom Fahrrad approachen.

Später laufe ich noch eine Stunde ziellos durch die Stadt, mache keinen weiteren Approach und fahre wieder heim. Die körperliche Aktivität hat zumindest die Stresshormone in meinem Körper soweit abklingen lassen, dass ich meinen Gleichmut zurückgewinne.

Häßlich gewonnen oder nicht. Nummer ist Nummer und Nummer bedeutet Laychance.

Go!


© Elisabeth Patzal/ pixelio.de

Ich schreibe ihr eine kurze SMS, frag wie es im Fitnesstudio war. Eine Stunde später kommt eine lange SMS zurück. Ziemlich lang. The game is on. Wir schreiben noch ein paarmal in kurzen Abständen. Sie hat am nächsten Tag frei. Als ich das erfahre, mache ich sofort einen Datevorschlag für abends (das Eisen immer Schmieden solange es heiß ist. Immer!).

Wir treffen uns in einer Bar. Long story, short: Sie ist gerade erst in die Stadt gekommen. Kennt fast niemanden. Einen Mann gibt es nicht in ihrem Leben. Ich spüre ihr geringes Selbstvertrauen, mache mich nur ganz sanft über sie lustig, höre ihr ansonsten viel zu, küsse sie. Wir wohnen recht nah beieinander und haben daher fast den gleichen Heimweg.

Ich hätte sie ev. schon an dem Abend mitnehmen können, verkrampfe aber, als ich die Chance sehe. Stattdessen machen wir aus, am nächsten Tag gemeinsam zu kochen (das Eisen schmieden solange es heiß ist. Immer!).

Wir treffen uns am nächsten Tag im Supermarkt, kaufen ein, gehen zu mir, machen ein wenig rum, kochen, machen ein wenig rum, schauen ein wenig Film, machen ein wenig rum, machen ein bisschen mehr rum, sie sagt „huch nein, nicht so schnell“, ich sage „das ist ok, ich will nur deine Wärme spüren“, wir legen uns ins Bett, gucken ein wenig Film, machen rum, ziehen uns langsam aus, sie sagt „huch nein, nicht so schnell“, ich sage „das ist ok, ich übernehme die Verantwortung…..

Was war das? Es war eine „low hanging fruit“. Ein Mädchen, neu in der Stadt, das sich einsam fühlt und jemanden brauchte. Es war am Ende nicht schwer. Aber es war am Anfang schwer, sie anzusprechen, als ich mich wirklich schlecht fühlte. Wie findet man low hanging fruits?

Indem man 100 Frauen anspricht

–> naturalnumbersgame

Schweiger

3 Gedanken zu “Der Fahrradlay

  1. Erstmal danke das ihr das macht. Mich würde persönlich intressieren wie das ich Frauen per SMS am besten verführen kann, weil die meisten Frauen wo ich die Nummer holen kann dann nicht ans Telefon gehen und lieber schreiben wollen. Daher wäre ein Artikel der Aufschluss darüber gibt wie man das Löst förderlich.

  2. Pingback: Funktionieren Freeze Outs? | naturalnumbersgame

  3. Pingback: TOP10 – Oktober bis Dezember | naturalnumbersgame

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