Schweigers Wochenschau

Montag 03.12.

Auf dem Weg von der Arbeit zu einem Freund fährt mir ein Geländewagen hinten auf, schiebt mich in meinen Vordermann rein. Totalschaden, Straße gesperrt. Ich steh 2 Stunden im Schneeregen, bis alles geklärt ist. Es ist zu spät und gibt keinen Leihwagen mehr. Kumpel kommt, fährt mich nachhause. Zuhause angekommen merk ich, dass Schlüssel in meinem Autowrack liegen. Ich klingel Hausmeister aus dem Bett. Zum Glück hatte er noch Ersatz. Erster Tag, an dem ich meinen 3 Sets / Tag Vorsatz nicht einhalte. Ich rufe Liefner an. Er sagt, unter diesen besonderen Umständen ist es ok. Ich geh schlafen.

Dienstag 04.12.

Morgens sage ich meine Termine für diesen Tag ab, da ich noch immer kein Ersatzauto habe. Ein Kunde reagiert empört, weil ich den Termin zum zweiten Mal schiebe. Droht die Zusammenarbeit zu beenden. Ich verspreche ihm, noch diese Woche zu kommen. Versicherung sagt, sie können mir Leihwagen erst am nächsten Tag stellen. Ich gehe später noch in die Stadt und mach ein paar Sets im Regen. Nichts läuft. Life sucks. Aber Vorsatz eingehalten.

Mittwoch 05.12.

Leihwagen endlich da. Ich fahr in die Werkstatt, um mit dem Sachverständigen zu sprechen, der den Schaden begutachtet. Meint, der Aufprall hinten sei so heftig gewesen, dass ich keine Chance hatte nicht auch das Auto vor mir zu erwischen. Ich mochte diesen Wagen. Er war erst 6 Monate alt und jetzt ist es vorbei. Ich geh in die Stadt, um ein bisschen zu approachen. In der Einkaufspassage sehe ich ein bildhübsches Mädchen. Ich frage sie, wo es Kaffee gibt. Sie beschreibt mir den Weg und ich sag ihr, dass sie mitkommen wird. Sie kommt mit. Interessant wie der Kopf frei wird durchs game. Wer denkt an seinen Job oder sein zerstörtes Auto, wenn er einer schönen Frau gegenübersitzt? Life is good.

Donnerstag 06.12.

Ich fahre früh morgens zu meinem verärgerten Kunden. Er wohnt weit im Osten. Auf dem Weg dahin heftiger Schneefall. Schneckentempo auf der Autobahn. Ich hatte ein gutes Zeitpolster eingeplant. Aber es schmilzt gnadenlos dahin, während der Schnee sich auftürmt. Ich komme zu spät. Kunde reagiert heftig. Es ist so eine Situation, wo jede Verteidigung alles noch schlimmer macht. Ich kann gut mit Cholerikern umgehen. Wenn einer anfängt rumzuschreien, weiß ich, dass alles ok ist. Ich beobachte ihn ruhig und gleichgültig, während er seinen Frust durch lautes Fluchen abbaut. Ja, lass alles raus. Ich weiß, dass du eigentlich friedlich bist.

Nachdem Ruhe eingekehrt ist, zeige ich ihm ein Bild von meinem Autowrack. Er fängt sofort an, von seinen Autounfällen zu erzählen. Es ist faszinierend. Wenn man den meisten Leuten etwas erzählt, egal was, scheint nur eine Frage in Ihrem Kopf zu kreisen „Geht das mir genauso? Habe ich das auch schon erlebt? Was bedeutet das für mich?“. 90% aller Menschen sind so in ihrem kleinen Leben gefangen, dass sie unfähig sind, jemandem wirklich zuzuhören und Empathie zu zeigen.

Freitag 07.12.

Ich wache irgendwann nachts auf. Es ist sehr kalt und die Heizung ist ausgefallen. Es ist interessant, wie mein Gehirn sich schrittweise umprogrammiert hat. Mein erster Gedanke war tatsächlich: Kann ich eine Frau mitnehmen, wenn Frost herrscht in meiner Wohnung? Ist es vielleicht sogar ein Vorteil, weil ich dann einen Grund habe, mich sofort mit ihr ins Bett zu legen? Morgens Wutanrufe von einem anderen Kunden. Ich fahr hin und beruhige ihn. Liefner hat kürzlich einen Beitrag über  Damage Control geschrieben. Manchmal glaub ich, dass ein Großteil des Lebens nur aus Damage Control besteht.

Ich reagiere immer gleichgültiger auf den Müll, den das Leben Tag für Tag auf mich wirft. Seit ich im Job bin und Pickup mache, geht eigentlich kein Tag so auf, wie ich ihn geplant habe. Alles scheint reines Chaos zu sein. Was als sicher galt, passiert nicht. Was ich eigentlich nicht kriegen sollte, fällt mir im nächsten Moment unerwartet zu. Unsere Sekretärin ruft an und sagt mir, dass ein neuer Kunde nach drei Monaten Warten doch noch den Vertrag unterschrieben hat. Schönes Geschenk zum Jahresausklang. Haben wir überhaupt einen Einfluss auf den Ausgang bestimmter Situationen? Oder geht es nur darum, Situationen aufzusuchen, in denen das Gute mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit auftreten kann und dann einfach abzuwarten, was passiert. Wenn ich auf meine Erfolge dieses Jahr zurückblicke, sowohl in Job wie auch in Pickup, bestand mein wichtigster Beitrag nur daraus, den ersten Schritt zu tun (den Approach bei einer Frau, den Anruf bei einem möglichen Neukunden). Danach hat sich jeweils eine Dynamik entwickelt, die ich zu keinem Zeitpunkt kontrollieren konnte. Auf der anderen Seite stehen meine Fehlschläge, wo ich jeweils dachte, ich hätte Kontrolle, um dann festzustellen, dass ich doch völlig machtlos bin.

Wer bis hierhin gelesen hat, kann nochmal darüber nachdenken, warum wir diesen Blog naturalnumbersgame genannt hatten. Es ist eine Sichtweise auf das Leben selbst.

Samstag, 08.12.

Stehe nachmittags auf. Über Freitag nacht kann ich nicht mehr viel sagen, außer dass ich nicht viel gerissen habe. Ich nehme meine Sportsachen und will zu meinem Auto gehen. Es steht auf dem Supermarktparkplatz. Dort stelle ich mein Auto seit über zwei Jahren nachts ab, weil es sonst kaum Parkplätze hier gibt. Es ist nicht da. Ich suche den Platz mehrmals ab. Dann blicke ich auf das Schild „Privatparkplatz. Parken 90 Minuten mit Parkscheibe. Langzeitparker werden kostenpflichtig abgeschleppt. Rufen Sie diese Nummer an: … „ Jahrelang hatte ich dieses Schild ignoriert. Jetzt ist es also soweit.

Ich spüre für einige Sekunden leichten Schmerz in mir aufsteigen. Dann kehrt die Gleichgültigkeit zurück. Ich habe Glück. Der Abschleppwagen ist grad in der Nähe (mit einem anderen Auto) und nimmt mich mit. Ich zahle die Abschleppgebühren und fahre ins Fitnesstudio. Natürlich habe ich keine Lust. Aber soll ich meinen Körper vernachlässigen, nur weil mein Wagen abgeschleppt wurde? Never will you see me crying. Liefner und ich gehen später wieder in den Club. Bei mir läuft wenig zusammen. Muss unbedingt mein Dancefloorgame verbessern. Wo bleibt Liefners versprochener Beitrag. Ab 3 Uhr bin ich allein. Liefner hat sich mal wieder auf seinen Körper reduzieren und abschleppen lassen. Nichtmal das Taxi muss er selbst zahlen. 90 Minuten später hol ich ihn von dem Mädel ab. Er steht im Schneetreiben am Straßenrand. Der Typ ist so gleichgültig. Der Lay bedeutet ihm nichts. Sein erster Satz nach dem Einsteigen: Lass uns ins xxx fahren. Wir haben noch eine Stunde. Ich hoffe er schreibt noch einen Report darüber. Denn wieder war alles scheinbar sinnlos und unplanbar. You want a routine? Kill yourself.

In dem anderen Club will ich zu Liefner aufschließen und mache instant makeout Versuche. Kann man gut machen in den frühen Morgenstunden. Es ist jedesmal interessant, wie positiv Frauen darauf reagieren, wenn man spielerisch bleibt. Ich bin zwar überall geblockt worden. Aber die meisten Frauen haben gelacht und werden wieder mit mir reden, wenn ich sie anspreche. Nachdem meine Runde beendet ist, sitzt Liefner auf einer Bank. Ein Mädchen steht vor ihm und sie tauschen intensiv ihren Speichel aus. Natürlich hatte sie 5 Minuten vorher gesagt: Ich küsse nie in der Disco.

Sonntag 09.12.

Ich stehe auf und schreibe einen Beitrag für diesen seltsamen Pickup Blog. So lang, dass ich selbst ihn nie lesen würde. Was ist der Sinn des ganzen? Wer hat einen Plan? Wo werden wir am Ende stehen? Der Wind weht leichte Schneeflocken an mein Fenster. Einige Flocken werden nach links geweht, andere nach rechts. Wie kann das sein, der Wind weht doch nur in eine Richtung? Ich verstehe es nicht. Aber es ist doch wunderschön.

Schweiger

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6 Gedanken zu “Schweigers Wochenschau

  1. „Mein erster Gedanke war tatsächlich: Kann ich eine Frau mitnehmen, wenn Frost herrscht in meiner Wohnung? Ist es vielleicht sogar ein Vorteil, weil ich dann einen Grund habe, mich sofort mit ihr ins Bett zu legen?“
    :D:D:D

    Ich denke es war eine gute Woche für dich.
    Und nur deshalb haben wir jetzt hier einen so starken Beitrag!

  2. Wie trist, wie armselig wär unser Leben nur, wenn wir versuchen unser „Glück“ zu kalkulieren und nicht das Unerwartete erwarten. Lassen wir uns, jene rohen Feigen, vom rauhen Nordwind von den Bäumen wehen; was umfällt, soll man auch noch stoßen.

  3. Pingback: TOP10 – Oktober bis Dezember | naturalnumbersgame

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