Das Auswahl-Paradox

Kommen wir zu einem etwas „paradoxen“ Thema.

These:
Wir nehmen an, dass, je mehr Frauen wir ansprechen und kennenlernen, desto höher unsere Auswahl und desto höher die Wahrscheinlichkeit
eine Frau kennenzulernen, die zu uns passt, und mit der wir gemeinsam eine glückliche Zeit verbringen können.

Das sogenannte Auswahl-Paradox macht uns scheinbar aber einen Strich durch die Rechnung.

Bas Kast beschreibt das in seinem Buch „Ich weiß nicht, was ich wollen soll“ recht treffend.
Als Beispiel führt er unter anderem eine Studie aus dem Jahre 2000 an (Iyengar & Lepper).

Zwei Studentinnen bauen in einem Delikatessengeschäft zwei Probiertische mit Marmeladen auf.
An Tisch 1 bieten die Studentinnen den Gästen 6 verschiedene Marmeladen-Sorten an, an Tisch 2 ganze 24 Sorten.
Die Kunden können die Marmelade aber nicht direkt am Probiertisch kaufen, sondern müssen weiter in den Supermarkt.
Dort gibt es einen Versuchsspion, der die Kunden in Bezug auf ihr nachfolgendes Kaufverhalten näher beobachtet.

Es ist wenig verwunderlich, dass Tisch 2 mit seinem großen Probier-Angebot deutlich mehr Besucher anlocken kann.
Überraschend ist aber ein anderes Ergebnis:
Während die Kunden an Tisch 2, mit der großen Auswahl, grübelnd und unentschlossen herumprobierten und diskutierten,
sind Kunden von Tisch 1 bereits entschlossen in den Supermarkt und haben die Marmelade gekauft, die ihnen am meisten zusagte.

Ergebnis:
Insgesamt sind 20 Personen an Tisch 1 stehen geblieben, von denen 6 am Ende Marmelade gekauft haben.
An Tisch 2 hingegen sind 30 Personen stehen geblieben, von denen allerdings nur 1 Kunde (!!) tatsächlich Marmelade gekauft hat!

Die große Auswahl an Tisch 2 hat am Ende dafür gesorgt, dass WENIGER Marmelade verkauft wurde.

Je größer die Auswahl, desto schwieriger fällt es uns, uns zu entscheiden.

Die Ergebnisse eines weiteren Versuchs sind noch interessanter, da sie auch die Zufriedenheit der Versuchspersonen miteinbeziehen.

So wurden drei verschiedene Versuchsgruppen jeweils eine, 6 bzw. 30 Schokoladensorten angeboten.
Anschließend sollten sie auf einer Skala von 1 bis 7 bewerten, wie gut ihnen die Schokolade geschmeckt hat.

Das überraschende Ergebnis:
Die Versuchsgruppe, die sich zwischen 6 Schokoladensorten entscheiden musste, war deutlich zufriedener mit dem Geschmack der Schokolade,
als die Gruppe, die sich zwischen 30 Sorten entscheiden musste.

„Es stellt sich heraus, dass Menschen bei einer kleinen Auswahl von Möglichkeiten nicht nur weniger zweifeln und beherzter zugreifen,
sondern am Ende auch zufriedener mit ihrer Wahl sind […]“ (S. 34)

Die Gruppe, die zwischen 6 Sorten wählen konnte, war allerdings deutlich zufriedener, als die Testgruppe, der nur eine einzige Sorte zur Wahl stand.

Bedeutet:
Zwar sind Menschen zufriedener, je größer ihre Auswahl, aber dies nur zu einem bestimmten Punkt.
Ist ihre Auswahl ZU GROß, so nimmt ihre Zufriedenheit wiederum ab.

Viele weitere Studien belegen diese Ergebnisse.

Was sind die Gründe für die mit einer steigenden Auswahl sinkende Zufriedenheit?

Erstens:
„Je zahlreicher die Alternativen, zwischen denen wir wählen können, desto mehr Alternativen gibt es auch, die wir abwählen müssen und denen wir nachtrauern können.“
Zweitens:
„Mit der Zahl der Alternativen steigen nicht nur die Alternativkosten, sondern auch die Erwartungen an die gewählte Alternative.“
Drittens:
„Wer keine Wahl hat, den trifft auch keine Schuld. Je freier wir umgekehrt sind, desto mehr Raum eröffnet sich auch für Schuldgefühle und Reue.“
(s.43ff.)

Zum Teil bin ich auf diese Aspekte schon im Beitrag Negative Freiheit, Positive Freiheit eingegangen.

Alle drei Punkte spielen auch bei Pick Up eine bedeutende Rolle.

Erstens:
Wenn wir uns erstmal die Fähigkeit antrainieren JEDERZEIT eine Frau kennenlernen zu können, wird es uns umso schwerer fallen uns auf EINE Frau
festzulegen, da wir dann die Alternativen, die wir ja aufgrund unserer Fähigkeiten wahrnehmen könnten, eben nicht wahrnehmen können!

Es ist das alte „Vielleicht kommt ja noch eine Bessere“-Phänomen.
Und auch für mich Hauptgrund, weshalb ich mich bis heute noch nicht auf eine einzige Frau festlegen konnte.
Und da sind wir auch schon bei zweitens:
Wenn wir extrem viele Frauen kennenlernen, steigen unsere Erwartungen entsprechend stark an.
Denn, wenn wir uns schon festlegen wollen/sollen, dann muss die Frau wenigstens eine ganze Besondere sein, andernfalls haben wir ja genug Alternativen, die eben „besser sein könnten“.
Was passiert?
Wir entwickeln übergroße Erwartungen an den Körper der Frau, an einen gemeinsamen Vibe sowie den Grad ihrer geistlichen, emotionalen und
spirituellen Reife. Erwartungen, die wahrscheinlich unerfüllbar bleiben.
Legen wir uns doch fest, sind wir auch schon bei drittens:
Was, wenn diese Frau die falsche Wahl ist/war?
Da wir wissen, dass wir JEDERZEIT jemanden Neues kennenlernen könnten, halten wir entsprechend Ausschau nach „besseren“ Frauen.
Dies führt zwar zum einen zu einer „Abundance Mentality“ und „Unneediness“, auf der andern Seite lösen wir uns emotional von der Frau, was am Ende des Tages ja nicht das Ziel einer Beziehung sein kann.
Halten wir nicht Ausschau nach anderen Frauen, können schnell Schuldgefühle entstehen, dass wir „das bessere“ verpassen und nicht versuchen es zu finden.

Wie wir sehen, ist das Problem also ein komplexes.
Wer nicht auf der Suche nach einer festen Freundin ist, brauch sich mit dem Thema nicht weiter auseinanderzusetzen, alle anderen schon.

Es ist letztendlich auch eine philosophische Frage.

Die oben beschriebenen Studien sind natürlich nur begrenzt auf die Liebe bzw. das Liebesleben übertragbar.
Man könnte z.B. die Annahme erheben, dass man sich durchaus in eine Frau dauerhaft verlieben könnte, trotz großer Auswahl und vieler Alternativen, ohne dabei an diese weiteren potenziellen Alternativen zu denken. Weil sie eben doch DIE EINE/DIE BESONDERE unter allen ist.

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© ortner rudolf / pixelio.de

Nur wie will man das wissen? Kann man so etwas „fühlen“? Und wenn ja, ist dieses Gefühl nicht lediglich eine Konstruktion oder gar Illusion durch uns selbst? Die Frage, wann eine Oneitis beginnt und wann nicht, wäre dann ein weiteres Thema.

Es handelt sich in gewisser Weise um Luxus-Probleme, die Pick Up uns auf diesem Wege mitbringt.
Aber auch Luxus-Probleme sollten angenommen und beachtet werden.

Eins scheint aber klar: KEINE Alternativen zu haben ist die mit Abstand schlechteste Situation, in der man sich befinden kann.

Tatsache scheint aber auch zu sein: Absurderweise kann es uns durch Pick Up sogar SCHWERER fallen, eine Frau fürs Leben zu finden.

Welchen praktischen Rat kann man geben?

Letztendlich muss sich jeder seine eigene Grenze setzen.
An einem Punkt, den er für richtig hält.
Und er muss (vorher) für sich klären, was er will und was er nicht will.

Ich denke aber, die größte Hilfe ist, sich über das Auswahl-Paradox einfach nur bewusst zu werden.

– liefner

5 Gedanken zu “Das Auswahl-Paradox

  1. das problem kommt mir bekannt vor.
    ich hasse es ehrlich gesagt, wenn ich zuviele alternativen habe.

    das hauptproblem ist, dass jede alternative an sich vor und nachteile bietet.
    somit muss man sich im kopf überlegen, wie man das jeweils gewichtet und daraus dann eine summe bilden kann.
    größte summe = beste alternative

    ist bei mädels schwierig ( die eine ist hübsch und doof ) ( die andere weniger hübsch dafür super nett usw.. )

    oft hilft es, esich eine frist zu setzten. z.b man gibt sich selbst vor innerhalb 5-20 min. eine entscheidung zu treffen und diese dann niemals mehr zu revidieren bzw. zu überdenken!
    vor allem das lange nachdenken hinterher ( war es die richtige entscheidung ? ) macht einen total fertig.

    da man im leben täglich viele entscheidungen treffen muß ( somit ständig eine abwägung von alternativen vollziehen muß ) ist diese methode sinnvoll und man kommt effektiv im leben weiter ( vor allem schneller )
    ich versuche das seit einiger zeit und kann kann es jedem nur empfehlen.

  2. Es hat den leichten Anschein, dass deine Frage lautet: Ist sie DIE EINE? Hierbei konzentriert man sich auf das Bild „dieser Einen“ und beobachtet, ob die Frau in dieses Schema passt oder nicht.
    Lauten sollte es wie folgt: Ist SIE die Eine? Ist SIE diese Eine, die ich lange gesucht habe, die mir geben kann, was ich wirklich brauche?

    Nur ein kleiner Unterschied, aber eine große Wirkung, wenn du mich fragst.

    (Ursprünglich lautet die Fragestellung: „Ist ES das?“ und „Ist es DAS?“; vermute es war in einem Buch von Watzlawick, über Ideologie)

    • guter Punkt, hatte ich insofern nicht drüber nachgedacht.
      Unterschied ist eklatant, da man in einem Fall ein Idealbild verfolgt, im andern nicht.
      Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass ich ohnehin nicht an DIE EINE glaube, sondern wenn dann an MEHRERE EINE.

  3. Pingback: Entscheidungen treffen I | naturalnumbersgame

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