In Gedenken General a.D. David Petraeus

Seit Samstag mittag wach und will längst schlafen. Samstag nacht Clubgame mit Liefner und Steady, um halb sieben nach Hause gefahren, von dort direkt auf die nächste Zugfahrt zu meiner Familie gemacht, um Weihnachten zu feiern.

Vor ein paar Wochen habe ich versprochen, jeden Tag mindestens drei Sets zu machen. Die Nacht zähle ich immer zum Vortag, d.h. der Sonntag war noch leer. Ich musste daher in Köln während der paar Minuten Umsteigzeit meine drei Sets machen. Übermüdet und übellaunig bin ich wie ein Zombie auf vier Frauen zugewankt und hab sie angesprochen. Sie verachteten mich. Egal, Mission erfüllt.

Da ich außerdem für heute einen Artikel versprochen habe, darf ich noch immer nicht schlafen gehen. Ich weiß, die meisten würden sagen: chill doch mal. Du hast frei, es ist Weihnachten. Man kann ein Versprechen auch mal aufschieben. Vielleicht kann man, aber ich will es nicht. Alles in meinem Leben habe ich mit Disziplin erreicht. Wenn ich es heute schleifen lasse, werde ich das bei jeder Gelegenheit wieder tun und dann wieder und wieder, bis die Tugend zerstört ist.

Disziplin und Willenskraft erwähne ich ständig, weil ich es für so wichtig halte. In dem Zusammenhang fällt mir immer General a.D. David Petraeus ein. Zur Erinnerung: Petraeus war bis vor kurzem Chef des CIA und hatte zuvor eine sehr bemerkenswerte Laufbahn in der US Army hingelegt. Wenn auch nur die Hälfte von dem zutrifft, was man über ihn schreibt, war Petraeus die fleischgewordene Willenskraft.

Katharina Wieland Müller  / pixelio.de

Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Ein Mann, der nichts als die Armee und seine Arbeit kannte und jede Faser seines Schaffens darauf ausgerichtet hatte. Er ist sehr weit gekommen damit. Vom amerikanischen Volk als Held verehrt stand er am Ende seiner glanzvollen Karriere an der Spitze des mächtigsten (?) Geheimdienstes der Welt. Und stolpert dann über eine außereheliche Affäre mit einer Journalistin.

Moral interessiert mich nicht und auch nicht, ob Petraeus „das Recht“ hatte, eine Affäre einzugehen. Was mich fassungslos macht: Wie kann ein Mann mit einer so klaren Vision für sein Leben, ein Mann der über Jahrzehnte unbeirrbar seinen Weg gegangen ist, wie kann er so spät im Leben eine Entscheidung treffen, die sein ganzes Werk sinnlos zerstört? Warum tut er das?

Es war keine einfache Affäre, mit dem Ziel ein wenig Sex in den einsamen Höhen Afghanistans zu haben. Petraeus soll Paula Broadwell zeitweise „verfallen“ gewesen sein. „Verfallen“ klingt so fulminant, so nach menschlichem Abgrund und unendlicher Leidenschaft. Wir würden einfach sagen: Kollege Petraeus hatte eine Oneitis.

60 Jahre Tag für Tag streng und unerbittlich sich selbst gegenüber gewesen und nach Größe gestrebt, um dann auf dem Gipfel angekommen sein weltliches Werk zerstört. Und nur weil der eiserne Krieger den ausdrucksstarken Augen einer Journalistin nicht gewachsen war.

Reine Spekulation, aber wahrscheinlich hat es in Petraeus Leben wenig Frauen und Platz für Romantik gegeben. Da war die eine oder andere flüchtige Liebelei und dann für Jahrzehnte seine farblose Frau Holly (sorry Holly. Müde Männer sagen halt die Wahrheit).

Als Petraeus dann mit 60 Jahren direkten Kontakt mit Paula Broadwells weiblicher Energie hatte, war sein „romantischer Erfahrungsschatz“ einfach zu gering, um standzuhalten. Es ist eben etwas anderes, seinen Körper oder Soldaten zu disziplinieren oder seine romantischen Gefühle.

Es ist wirklich bemerkenswert wie häufig man von mächtigen Männern liest, die ihr ganzes Lebenswerk wegen einer Frau wegschmeißen.

Ein Mann arbeitet 2 Jahrzehnte wie ein Ackergaul um Gouverneur in einem Bundesstaat zu werden, verliebt sich in eine Prostituierte, die Affäre wird öffentlich, er muss zurücktreten, trennt sich von seiner Frau, der er die Hälfte seines Vermögens überlassen muss, geht anschließend zu seiner neuen Prostituierten-Freundin, die die zweite Hälfte seines Vermögens aus ihm raussaugt und ihn anschließend verlässt. Wie erbärmlich, unmännlich, inakzeptabel. Und doch passiert es ähnlich Tag für Tag.

Jetzt in jungen Jahren Pickup zu treiben wird uns auch viel später im Leben helfen, nicht irgendwann wegen einer Frau großartigen und albernen Schwachsinn zu produzieren.

Willst du als großer Mann oder Lachnummer sterben?

Schweiger

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2 Gedanken zu “In Gedenken General a.D. David Petraeus

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