Entscheidungen treffen I

Entscheidungen beeinflussen unser Leben im Großen und Kleinen. Als Mann gilt es im Lauf eines Tages viele Entscheidungen zu treffen.

Jakob Ehrhardt  / pixelio.de

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Die Art und Weise und auch die Geschwindigkeit, mit der wir Entscheidungen treffen, sagen viel aus, wie stark wir in unserer Realität und mit unserem Weg verankert sind.Viele Menschen scheuen Entscheidungen und werden geradezu unglücklich, wenn sie welche treffen müssen. Liefner hat darüber an anderer Stelle berichtet.

Tatsächlich glaube ich, dass der moderne Mensch auch deswegen im Mittel nicht glücklicher ist als vor einigen hundert Jahren, weil er ständig mit Optionen konfrontiert wird, die ihm offen stehen, mit denen er aber häufig nichts anzufangen weiß. Das Wissen darum, eine möglicherweise bessere Möglichkeit zu versäumen kann lähmend vor der Entscheidung wirken und zu Reuegefühlen im Anschluss führen.

Mir fallen spontan vier Arten von Entscheidungen ein:

1) Entscheidungen ohne jeden Einfluss auf unser Leben. Geht in ein leeres Kaffee und seht vor euch all die leeren Plätze. Wo setzt ihr euch hin? Man mag eine gewisse Präferenz haben, wo man hingucken will. Aber letztlich spielt es keine Rolle.

Gestern morgen saß ich nach dem Club mit Liefner in der Backfactory. Es war 5 Uhr und dementsprechend leer. Die große Zahl der leeren Plätze hat zwei Neuankömmlinge überfordert. Ich konnte beobachten, wie sie mit ihren Tabletten erst unschlüssig in die Runde guckten. Dann zaglos auf einen Tisch zugingen und sich setzten. Wieder begannen sie sich umzusehen, berieten und  setzten sich anschließend woanders hin. Am zweiten Platz schienen sie wieder unzufrieden zu sein, berieten sich nocheinmal und wechselten wieder ihre Plätze. Was ist das? WAS IST DAS??? Wie hirngewichst muss man sein?

Aber ich habe nicht über sie gelacht, weil mir in diesem Moment klar wurde, wie häufig ich mich selbst ähnlich verhalte, wenn auch in abgeschwächter Form.

Rike  / pixelio.de

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Abhilfe: Merken, dass es keinen Einfluss hat, wie die Entscheidung ausfällt und einfach sofort irgendeine fällen! Anschließend Ausführung in gerader Linie und diese Entscheidung nie wieder hinterfragen.

2) Ähnlich wie oben. Mit dem Unterschied, dass die Entscheidung gewisse Auswirkungen auf unser unmittelbares Wohlbefinden hat. Beispiel von einer Kollegin von mir: Sie war in Tokyo in einem Restaurant, vor sich die Speisekarte nur auf japanisch. Sie konnte kein Wort japanisch und die Kellner kein Englisch. Sie hat mir erzählt, dass sie trotzdem 20 Minuten auf die Karte geschaut und überlegt hat. Sie hat anhand der Schriftzeichen versucht zu „erfühlen“, was ihr wohl am besten schmecken würde. (lacht nur. Viele Menschen würden auf ähnliche Weise versuchen, an „Informationen“ zu kommen. Darauf basiert Produkt Marketing.).

Sicher, je nach dem, wie die Entscheidung ausfällt, erhält man ein Essen, das entweder mehr oder weniger dem eigenen Geschmack entspricht. Jedoch muss die Entscheidung auf Basis mangelnder Information getroffen werden.  Auch in diesem Fall kann frohgemut irgendeine Entscheidung getroffen werden.

Eine besonders „traurige“ Wendung hat der obige Fall dadurch bekommen, dass die Dame dann ein Gericht bekam, das ihr nicht schmeckte. Sie hat sich anschließend über ihre Entscheidung geärgert und destruktive Selbstkritik dafür geübt, kein anderes Gericht gewählt zu haben (zum Beispiel das, wo die Folge der Schriftzeichen „sympathischer“ aussah). Ich habe nach dieser Unterhaltung jedenfalls verstanden, warum sie immer diese Bitterkeit im Gesicht hat.

Abhilfe: Merken, dass eine Entscheidung ansteht, die auf Grund fehlender Informationen nicht nüchtern gefällt werden kann. Dann einfach schnell irgendeine Entscheidung treffen wie oben.

Dieser Entscheidungstyp ist weiter verbreitet als es anhand des Beispiels klingt. Alles im Leben hat eine Komponente starker Zufälligkeit und Unsicherheit. Langes Nachdenken ändert nichts an der Unsicherheit der Welt, macht uns aber selbst im Inneren unsicher.

Die fehlenden Informationen können übrigens auch mangelndes Wissen und Verständnis der eigenen Person sein. Bist du schonmal gegen deinen Willen zu etwas gezwungen worden (d.h. du selbst hättest eine andere Entscheidung getroffen, aber die Entscheidungsgewalt lag nicht bei dir). Du warst absolut überzeugt, dass für dich nichts „drin“ ist und am Ende hat es sich doch als guter Deal herausgestellt?

Entspann dich und geh davon aus, dass viele der Entscheidungen, die du fällst sowieso „falsch“ sein werden, weil du weder über die Welt noch dich selbst genug weißt. Glaubst du, du kannst nach dem Studium den für dich besten Job finden? Weißt du soviel über dich? Glaubst du manchmal nach einem Set, du hättest besser „dies“ statt „das“ gesagt und alles wäre anders gekommen?

Mir fehlt die Zeit, denn morgen geht es sehr früh los. Zu den beiden anderen Typen schreibe ich unter der Woche etwas.

Als kleine Übung zum Abschluss: Welche kleinen und großen Entscheidungen musstest du heute im Lauf des Tages treffen? Wie hast du sie getroffen und wielange hast du dazu gebraucht? Würdest du es wieder so tun?

Schweiger

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3 Gedanken zu “Entscheidungen treffen I

  1. Jeder der sich intensiver mit Entscheidungen auseinander setzen will und der auch lernen will gut Entscheidungen zu treffen, dem empfehle ich das Buch „Das Shaolin-Prinzip: Tue nur, was du selbst entschieden hast“ von Bernhard Moestl. Er behandelt das Thema aus der Fernöstlich-Asiatischen Sichtweise.
    Mir fällt zu Punkt 1 noch ein, was auch Moestl in seinem Buch schreibt:
    Zitat aus dem Buch: „Aber haben Sie schon jemals darüber nachgedacht, dass die simple Frage, welchen Sitzplatz Sie im Bus oder Zug wählen, im Unglücksfall auch über Ihr Sein oder Nicht-Seit entscheiden kann? Wohl kaum, oder?“ Die Wahl des Sitzplatzes in einem leeren Straßenbahnwagon kann also schon weitreichende Folgen haben.

  2. Hab ich auf meine Amazon Wunschliste gesetzt. Buchempfehlungen sind immer willkommen…

    Einverstanden, letztlich kann jede noch so unscheinbare Entscheidung schwere Konsequenzen haben. Aber auch hier stehen normalerweise nicht genug Informationen zur Verfügung oder sie sind nicht ohne weiteres zugänglich (z.B. Statistiken welcher Platz im Bus die höchste Todesrate hat). Daher ist die einzig praktikable Konsequenz über solche Entscheidungen nicht nachzudenken.

    Heiße die Unsicherheit in deinem Leben willkommen und du wirst innerlich sicherer und zufriedener sein.

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