Entscheidungen treffen II

Zwei Anmerkungen zum ersten Teil:

Ich hatte Samstag ein Date und wie ich mit dem Mädchen in die Bar gehe, fällt es mir schwer, mich schnell für einen Sitzplatz zu entscheiden. Genau die Situation, die ich eine Woche vorher in einem Blogbeitrag beschrieben hatte, macht mir also selbst zu schaffen???

Was das heißt: Einen Fehler erkannt zu haben schützt noch nicht davor, ihn wieder zu begehen. Das erhöhte Bewusstsein vermindert aber immerhin die Wahrscheinlichkeit.

Für jeder Art von Leser: Wenn jemand etwas schreibt, fließen seine Worte meist von einem höheren / besseren Selbst. Das heißt, er schreibt aus einem Moment der Erkenntnis und Selbstreflektion. Seine Botschaft mag noch so ehrlich und wahr sein. Trotzdem kann und wird der Schreiber in schwachen Momenten in Verhaltensweisen zurückfallen, die zu seinen eigenen Lehren im Widerspruch stehen.

Das passiert mir zumeist dann, wenn ich geistig nicht voll präsent bin, d.h. wenn ich den gegenwärtigen Moment nicht wach erlebe, sondern mein Kopf mich wieder in Gedankenschleifen treibt. Weder Liefner, Steady noch ich sind Übermenschen. Wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir um jeden Meter kämpfen und werden doch immer und immer wieder zurückgeworfen.

Zweite Anmerkung: Ich hatte geschrieben: „Mir fallen spontan vier Arten von Entscheidungen ein…“ Die ersten beiden habe ich ausgeführt. Die beiden anderen habe ich natürlich vergessen.

Lehre: Ideen müssen sofort niedergeschrieben oder sonstwie umgesetzt werden. Ich erinnere mich an die Geschichte eines Künstlers der Jahre über der Lösung eines kreativen Problems verbringt. Eines Nachts wacht er auf und sieht die Lösung genau vor sich. Jede Kleinigkeit, jedes Detail wie es sich zum großen Ganzen formt. Er springt hektisch auf, bringt alles zu Papier. Bis auf den letzten Baustein. Die Sonne steht schon hoch am Himmel.

„Den Rest mache ich nach einem kurzen Nickerchen“ denkt er sich und schläft ein. Als er aufwacht, ist der finale Baustein weg. Und damit das gesamte Werk. Er denkt und forscht angestrengt, es fällt ihm aber nicht ein. Immer verzweifelter und fieberhafter wird seine Suche. Doch es hilft alles nichts. In seiner Wut zerstört er schließlich sein ganzes Werk und stürzt sich von einer Klippe (glaub ich. Hab die Geschichte nicht verstanden, als sie mein Vater mir vor vielen Jahren vorgelesen hatte).

Also, wer eine Eingebung hat darf nie zögern ihr sofort bis in letzter Konsequenz nachzugehen. Sie wird wahrscheinlich nie wieder kommen.

Die dritte Art von Entscheidungen sind solche, in denen Ego-Emotionen auftreten. Ego-Emotionen nenne ich Emotionen, die nicht aus dem tiefen Inneren kommen, sondern mit dem Selbstbild und unserem Bild von anderen bestimmt sind. Zum Beispiel Neid, Rachegelüste, die Ego-Freude über einen Lay, Schadenfreude…

Als ich anfing in der Stadt zur Schule zu gehen, kaufte ich mir ab und zu Schokolade in einem kleinen Laden. Einmal behandelte mich der Verkäufer unfreundlich. Ich ging nie wieder in diesen Laden. Die Schokolade kaufte ich stattdessen in einem anderen Laden, zu dem ich nicht nur länger laufen musste, sondern wo die Schokolade auch teurer war.

Weil: „Der soll mein Geld nicht mehr kriegen“. Aber warum nicht. Ich lief nicht gern damals und viel Taschengeld gabs auch nicht. Weiter im gleichen Laden einzukaufen wäre die richtige Entscheidung gewesen. Ich ließ es aber zu, dass Ego-Erwägungen meine wahren Interessen übertrumpften (günstige Schokolade ohne weit zu laufen).

In welcher Entscheidung heute hast du deinen Ego-Emotionen Macht über deine wahren Interessen eingeräumt?

Thorben Wengert  / pixelio.de

Thorben Wengert / pixelio.de

Eine andere Art von Entscheidungen sind solche, die aus einem plötzlichen und starken emotionalen Puls gefällt werden. Der emotionale Puls muss dabei nicht ego-behaftet sein. Er zeichnet sich vor allem durch seine Heftigkeit aber auch Kurzlebigkeit aus (Strohfeuer). Wer hat nicht schonmal eine teure Sache gekauft und seine Kaufentscheidung später bereut. Viele, auch gute Emotionen sind kurzlebig.

Wer im Laden einen Gegenstand sieht, den er unbedingt besitzen möchte, sollte sich dessen bewusst sein, dass die Gefühlswallung wahrscheinlich nicht von Dauer sein wird. Aber der momentane Wunsch kann übermächtig werden. Ein guter Verkäufer weiß das. Er versucht eine Kaufentscheidung immer sofort herbeizuführen. Wenn der Käufer etwas haben will, muss er sofort überzeugt werden.

Hat der potentielle Käufer einmal den Laden mit leeren Händen verlassen, werden die Gefühle des Augenblicks ihn wahrscheinlich verlassen und er sich gegen den Kauf entscheiden oder es einfach vergessen (wer sieht hier Parallelen?).

Wenn es um Kleinigkeiten geht, darf man es der Augenblicks-Emotion erlauben, die Entscheidung zu treffen. In großen Entscheidungen ist Abstand angesagt. Eine meiner Regeln ist es daher, wichtige Entscheidungen nie in einem Moment zu fällen, in denen Gefühle Macht über mich haben. Sondern einige Zeit zu warten, bis sie schwächer geworden sind und ich die Situation distanzierter betrachten kann.

Man kann beliebig viel über Entscheidungen schreiben. Wichtig ist es, seine eigenen Entscheidungsmechanismen zu erkennen und verstehen. Wer das lernt, hat vielleicht den Schlüssel, um sein eigenes Schicksal zu formen.

Schweiger

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