Zeitfenster und falsches Dogma

Januar. Date mit einem Hottie. Katastrophaler Beginn. Ich bin schlecht drauf, mangelnder Augenkontakt, creepige Begrüßung. Die Bar, die ich vorgesehen hatte, ist überfüllt. Wir versuchen es woanders. Auch da kein Platz frei. Wir beschließen, es noch an einer dritten Bar zu versuchen. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Wir gehen schweigend nebeneinander her, sprechen kaum ein Wort.

In diesem Fall arbeitet die soziale Konditionierung für mich. Sie würde sicher gern weglaufen, aber ein „richtiges Date“ bricht man nunmal nicht einfach so ab. Glücklicherweise finden wir nun endlich Sitzplätze. Die Unterhaltung kommt langsam in Gang. Etwas Alkohol macht uns beide gelöster. Es wird besser und besser. Nach einer Stunde ist ein richtiger Vibe entstanden. Dann fragt sie mich, wielange ich eigentlich Zeit habe heute. In Wahrheit habe ich kein Zeitlimit heute. Doch sie ist so heiß, dass ich glaube, Spiele spielen zu müssen. Ich sage ihr, dass ich in einer halben Stunde losmüsste, um noch „einen Freund zu treffen“. In dem Moment, wo ich es ausspreche, weiß ich, dass es ein Fehler war. Es läuft gut. Warum verbringe ich nicht einfach noch mehr Zeit mit ihr?

HIER UND JETZT

Nicht mehr zu ändern. Nach einer weiteren halben Stunde stehen wir auf und gehen Richtung Marktplatz. Die Verabschiedung ist wieder kühler. In den nächsten Tagen sporadischer und sehr kurzer SMS Kontakt, der bald ganz einschläft. Irgendwann schreibt sie nicht mehr zurück. Vor einer Woche beschließe ich, nochmal brutal auf ein Date zu drängen und sie entweder wieder zu sehen oder ganz zu verlieren. Sie schreibt, dass sie „im Moment viel zu tun hat“. Ich frage, warum sie mich nicht wieder sehen will? Needy? Vielleicht, aber die Chancen sind ohnehin minimal, warum nicht, was neues ausprobieren. Sie schreibt zurück: „Ich hatte nicht den Eindruck, dass du wirklich Interesse an mir hattest“.

Unsere Unterhaltung war am Ende gut und harmonisch gelaufen und ich hatte ihr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Man kann sich der wahren Ursachen nie sicher sein. Aber ich habe wenig Zweifel, dass der Knackpunkt darin lag, das Date frühzeitig zu beenden. Mir stand dieses eine Zeitfenster offen, den Abend mit einer guten Frau zu verbringen.Ich habe mich stattdessen für Spielereien entschieden. Das Fenster wird wahrscheinlich für immer geschlossen bleiben.

Thomas Max Müller / pixelio.de

Thomas Max Müller / pixelio.de

Karneval.

Ich spreche eine süße 20jährige an. Wir reden eine halbe Stunde. Der Augenkontakt ist sehr intensiv. Sie mag mich. Ihre Freundin mag mich auch. Sie fragt mich, ob ich nach dem Umzug mitkomme in die Disco. Ich bin müde. Außerdem feige, weil noch mehr Freunde von ihr dazukommen werden und ich unsicher bin, ob ich alle unterhalten kann. Verlierer-Mentalität. Ich sage nein und hole stattdessen ihre Nummer. Sie besteht darauf, dass ich sie anklingele und speichert mich sofort ein. Wir reden noch ein wenig, bevor ich mich verabschiede. Optimal gelaufen denke ich mir. Scheiße gelaufen natürlich. Sie flaked. Mir stand dieses eine Zeitfenster offen, den Abend mit diesem süßen Mädchen zu verbringen.

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Zeitfenster zu, Gelegenheit tot.

Freitag nacht.

Ich spreche eine im Club an. Sie will mit ihrer Freundin in einen anderen Club weiterziehen. Ich lasse mir nach 10 Minuten ihre Nummer geben. Unsolide und wertlos denke ich mir. Weit gefehlt. Zwei Stunden später, schreibt sie mir 2 SMSen hintereinander. „Wo bist du?“ „Komm ins xxxx“. Ich versuche sie stattdessen in meinen Club zurückzulotsen. Ein Fehler. Wenn eine Frau so schreibt, will sie sehr wahrscheinlich ficken. Geht einfach zu ihr und holt es euch. Sie antwortet nicht mehr. Um 5 fahre ich mit dem Zug heim in meine Stadt. Dort angekommen schaue ich auf mein Handy. Zwei neue SMSen. Beide von ihr. „Noch unterwegs?“ „Lass uns treffen“.

Das Ärgerliche: Sie hatte die Nachrichten geschrieben, bevor ich in den Zug gestiegen war. Ich hatte leider nicht auf mein Handy geschaut. Sonst wäre ich einfach dageblieben und hätte sie mit nach hause genommen. Ich schreibe ihr zurück. „Ich will dich jetzt“. Hin und her schreiben. Ich versuche sie dazu zu bringen mit dem nächsten Zug zu mir zukommen. Sie ruft mich an. Wir sprechen über Sex. Sie erzählt von ihrem Genitalpiercing, dass sie auf leichten Schmerz und Doggy-Style steht. Meine Hose platzt fast, während wir sprechen. Sie wohnt eine Stunde entfernt. Es ist 6 Uhr. Ich könnte mich in meinen Wagen setzen und zu ihr fahren. Aber trotz meiner Geilheit fühle ich mich extrem müde. Wir verabreden, dass ich Samstag oder Sonntag zu ihr komme.

Ein kurzes Zeitfenster für einen sicheren Lay. Ich hätte sofort zu ihr fahren müssen. Stattdessen schiebe ich meine Gelegenheit wieder in die Zukunft. Sie schreibt mittlerweile nicht mehr. Ich habe einen sicheren Lay verschenkt.

HIER UND JETZT

Gestern abend. Date in der Stadt. Ich fahre mit der Straßenbahn. Ich bin wütend und unzufrieden, als mir klar wird, wieviele Gelegenheiten ich mir durch „Aufschieberitis“ versaut habe. Heute will ich es anders machen. Ich werde möglichst viel Zeit mit dem Mädchen verbringen und mehrmals die Location wechseln.

HIER UND JETZT

HIER UND JETZT

HIER UND JETZT

Wir starten in einer Bar, trinken und reden zwei Stunden. Mir wird schnell klar, dass ich sie absolut uninteressant finde. Optisch ist sie gut genug für einen Lay, aber ihre ganze Ausstrahlung ist so unsexy, dass ich sie einfach nur loswerden will (grad kam eine SMS von ihr rein, wie schön sie den Abend mit mir fand. O Gott, bin ich ein Schwein, dass ich anders empfinde). Ich bin aber so in meinem neuen HIER UND JETZT – Dogma gefangen, dass ich noch eine weitere Stunde mit ihr sitzen bleibe. Anschließend schlage ich vor, noch etwas essen zu gehen (GÄÄÄHN). Danach gehen wir ins Kino (Parker. Immerhin der Film war gut).

Mein HIER UND JETZT Autopilot treibt mich immer weiter. Gleichzeitig bin ich so desinteressiert, dass ich nichtmal versuche, ihr körperlich näherzukommen. Nach dem Kino verabschieden wir uns. Ich gehe heim. Die Kühle der Nacht befreit meinen Kopf und mir wird klar, dass ich mehr als 6 Stunden mit einem Mädchen verbracht habe, das ich gar nicht will….

Bleibt immer solange drin, wie es irgend geht. Verschiebt Gelegenheiten nie in die Zukunft. Das Universum hat alle gute Dinge mit einem Zeitfenster ausgestattet. Und wer wartet, wird bestraft. Bleibt aber wach und geistig flexibel. Macht es nicht zu einem Dogma. Wenn die Umstände wirklich ungünstig sind (schlechte Logistik oder ihr mögt sie einfach nicht genug), sollte man sich lösen können und die Gelegenheit aufschieben oder ganz aufgeben.

Schweiger

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2 Gedanken zu “Zeitfenster und falsches Dogma

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