Lesen

Liefner hat mehrmals über die Bedeutung von Lesen geschrieben. Lesen inspiriert, bildet, regt an. Ich war als Kind bücherverrückt. Ich habe jedes Buch in kürzester Zeit verschlungen. Ich habe lieber gelesen als etwas mit Freunden zu unternehmen, Sport zu machen, Computer zu spielen. Ich habe gelesen und vor mich hingeträumt. Ich lag häufig tagelang auf dem Sofa in unserem Wohnzimmer und habe ein Abenteuerbuch nach dem nächsten verschlungen. Karl May. Freibeuter. Ritter. Götter. Helden.

Simone Peter  / pixelio.de

Simone Peter / pixelio.de

Während des Studiums waren es nur noch Fachbücher. Seit ca. 3 Jahren nun viele Bücher zum Thema Selbstentwicklung. Interessanterweise habe ich bis vor ein paar Monaten viele Bücher aus diesem Bereich angefangen, aber nur selten eins vollständig gelesen. Ich habe auch das Lesen nicht genossen wie früher. Ich hatte die Einstellung, dass ich das Wissen aus diesen Büchern verinnerlichen und umsetzen muss. Ich habe mit Marker gelesen und mir Notizen gemacht. Lesen war Arbeit und hat mir wenig Freude bereitet.

Durch Anregung von Tyler (RSD) und Liefner hat sich meine Einstellung zum Lesen wieder deutlich verändert. Ich lese nicht mehr, um Informationen bewusst aufzunehmen, zu verarbeiten und umzusetzen. Ich lese, um während des Lesens selbst den Geist aufzusaugen, den der Autor seinem Buch gibt. Wie früher in meinen Abenteuerbüchern – nur dass es nun nicht mehr um das Abenteuer fiktiver Charaktere geht, sondern mein eigenes.

Wie ist ein Buch gerade im Bereich Selbstentwicklung entstanden? Zumindest bei den guten Texten hat sich jemand, der etwas aus seinem Leben gemacht hat, der Erfolg und Glück und Meisterschaft gefunden hat, hingesetzt und das allerbeste, was er erlebt hat, seine tiefsten Weisheiten zwischen zwei Buchdeckel zusammengebracht. Und er hat seine Zeilen häufig in Momenten der Inspiration geschrieben. Er sieht den größeren Zusammenhang, wie er sich für sein Leben aufgetan hat, spürt den Geist, der ihn all die Jahre vorangetrieben hat. Und all dies schwingt in den Zeilen mit.

Häufig kann ich diesen Geist beim Lesen spüren. Und ich bin offen mich mitziehen zu lassen. Es reicht, wenn ich mich beim Lesen selbst inspiriert fühle. Nur beim Lesen. Ich versuche nicht mehr, Informationen für die Zeit danach „rüberzuretten“.

Ein Beispiel sind die Bücher von Hermann Scherer  und Veit Lindau. Bei der Lektüre von Hermann Scherer hatte ich ein starkes Gefühl für all die Möglichkeiten und den Erfolg, der mir offensteht. Bei der Lektüre von Veit Lindau war es eher das Gefühl der Schönheit und Tiefe des Lebens. Beides sehr inspirierende Lektüren.

Ich weiß noch recht gut, welche Emotionen ich beim Lesen empfunden habe (und noch eine gewisse Zeit danach –das „Nachglühen“). Ich weiß aber kaum noch, was eigentlich in diesen Büchern drinsteht. Es ist auch nicht nötig.

Seit ich Lesen als Selbstzweck betrachte und kein bestimmtes Ziel mehr verfolge, bin ich meiner alten Leselust aus Kindertagen wieder näher gekommen.

Wenn ein Buch mich für die Zeit des Lesens in einen höheren, inspirierenden Zustand versetzt, hat es seinen Zweck erfüllt.

Schweiger

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5 Gedanken zu “Lesen

  1. Du meinst also, dass man das Wissen aus dem Buch schon dadurch verinnerlicht, dass man den Geist spürt? Beziehungsweise, dass man sich durch das Aufsaugen der Schwingung des Buches, selbst daran „angleicht“ und es verinnerlicht?

  2. Nein. Ich habe gerade den Anspruch abgelegt, den Inhalt eines Buches zu verinnerlichen. Ich begnüge mich damit, das Lesen selbst als inspirierende Zeit zu erleben. Als andere macht mir zuviel Arbeit und tötet meine Leselust.

  3. Das ist sicherlich eine gute Methode um die Leselust hoch zu halten. Aber ich frage mich dann natürlich wie du etwas aus diesem Buch mitnimmst, gerade bei Büchern, die sich mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen.

  4. Er nimmt trotzdem etwas aus den Büchern mit. Auch wenn er vielleicht nicht den Anspruch dazu hat.
    Alles, was wir lesen, wird irgendwo abgespeichert.

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