Meine Haare und die Frauen

Was folgt ist ein recht langer und einigermaßen unspektakulärer Beitrag. Es geht nicht um Lays, wenig um Game, aber viel um meine Haare.

Wir schreiben 2006/07. Ich bin ein zutiefst menschenscheuer und soziophober Sonderling. Auf der Uni der Überflieger, im wahren Leben unfähig normal mit Menschen zu reden. Von cold approach Pickup ganz zu schweigen. Ich spüre damals schon, dass etwas nicht stimmt. Doch ich bin so tief in meinen negativen Verhaltensweisen und Denkmustern gefangen, dass mein „Erwachen“ noch weitere Jahre brauchen wird. Ein äußerst langsamer und qualvoller Prozess.

Meine Schwester fragte mich damals, warum ich mir keine Freundin suche. Ich sähe doch ganz gut aus. Ich stand danach tagelang vor dem Spiegel und habe mich betrachtet. Die Idee, dass ich eigentlich ganz gut aussehe, war mir noch nie gekommen. Ich habe mich zu diesem Zeitpunkt außerhalb meiner Wichsphantasien nicht im entferntesten mit Frauen beschäftigt. Es ist nicht so, dass ich schlecht war oder unerfolgreich mit Frauen. Ich kann nicht sagen, dass ich Angst davor gehabt hätte mit Frauen zu sprechen. Das würde voraussetzen, dass ich diese Möglichkeit gedanklich schon in Betracht gezogen und vor der Vorstellung zurückgewichen wäre.

Nein. Ich war noch eine Stufe davor: Mir ist noch nicht einmal im entferntesten die Idee gekommen überhaupt mit ihnen zu sprechen. Ok, ich habe mich ab und an in ein Mädchen verliebt. Aber überhaupt mit ihr zu sprechen, lag völlig außerhalb meiner Realität.

An jenem Tag stand ich vor dem Spiegel und fand, dass ich doch eigentlich ganz gut aussehe. Vor allem meine Haare mochte ich. Ich beschloss an diesem Tag, erstmals in meinem Leben zum Friseur zu gehen. Ja, mit Anfang zwanzig würde ich das erste mal in meinem Leben einen Friseur aufsuchen. Ich war kein langhaariger Zottel. Ich hatte mir meine Haare bis dahin nur immer selbst geschnitten. Bei meinem ersten Gang zum Friseur bekam ich tatsächlich Herzrasen: Würde ich ausgelacht werden? Ich hatte mich vorher im Internet belesen, wie so ein Friseurbesuch eigentlich abläuft und mir zurechtgelegt folgendes zu sagen: Die Seiten kurz, oben länger lassen. Als die Friseurin mich dann fragte: „Wie kurz?“ Habe ich gesagt: Ach, machen Sie einfach.

Wer das hier liest und meine früheren Layreports usw. gelesen hat, wird vielleicht glauben, ich mache Witze. Schweiger hatte Angst davor zu einem Friseur zu gehen? Ja liebe Pickup Kameraden. Da stand ich mit Anfang zwanzig. Ziemlich trauriger Startpunkt.

Der Gang zum Friseur damals hat mir gut getan. Ich stand mit meiner frischen Frisur lange vor dem Spiegel und sagte mir immer wieder, dass ich doch eigentlich ganz gut aussehe. Ein kleiner Boost für mein nicht vorhandenes Selbstvertrauen.

Ein paar Wochen später der Schock: Haarausfall! Jedesmal wenn ich mir über den Kopf fuhr, befanden sich danach dutzende Haare in meiner Hand. Ich saß manchmal an meinem Schreibtisch, legte ein weißes Blatt Papier vor mich und schüttelte den Kopf. Das Blatt war jedes mal voll mit braunschwarzen Haaren. Voller Panik sah ich im Spiegel, wie sich die Geheimratsecken in meine Frisur zu fressen begannen und die Haarlinie immer weiter zurückwich. Ich bildete mir ein, dass es jeden Tag schlimmer wurde (es ging auch tatsächlich ziemlich schnell).

Ich startete ausgedehnte Internetrecherchen. Wie konnte ich das Unheil stoppen? Ich wollte doch endlich etwas besser aussehen als früher. Die Ergebnisse der Recherche waren vernichtend. „Dein Vater hatte Haarausfall? Dein Bruder? Deine Onkel und beide Opas?“ –> Es ist erblich bedingt. Du bist erledigt.

Sokaeiko / pixelio.de

Sokaeiko / pixelio.de

Ich war am Boden zerstört. Gerade war ich dabei gewesen, mich aus meiner bisher dahin rein intellektuellen Welt ein wenig ins reale Leben vorzuwagen und dann ein solch herber Rückschlag. Der Haarausfall schritt unaufhaltsam voran. Um mich weiter zu quälen, besorgte ich einen Handspiegel und hielt ihn über meinen Kopf, so dass ich im Badezimmerspiegel auch die Entwicklung auf der „Platte“ verfolgen konnte. Die Ansätze eines Kranzes waren schon deutlich zu erkennen. In Vorlesungen setzte ich mich künftig in die letzte Reihe, damit mir niemand auf den Kopf schauen konnte. Ich begann mir nach dem Duschen die Haare zu föhnen, was ich früher nie getan hatte. Bei nassen Haaren fallen die kritischen Stellen nämlich noch weit mehr auf…

Meine Haare begannen eine Obsession zu werden. Ich las Tag und Nacht in einem Forum für Haarausfall. Einige Teilnehmer dort führten ein Tagebuch. Sie beschrieben ihre Maßnahmen, um den Haarverlust zu stoppen. Es begann mit Vitaminen und harmlosen Nahrungsergänzungsmitteln bis hin zu Medikamenten, die den Hormonhaushalt durcheinanderwirbeln und (stark vereinfacht dargestellt) durch Reduktion der körpereigenen Testosteronproduktion den Haarausfall verlangsamen. Der Preis: Verminderter, teilweise völlig zerstörter Sexdrive und Potenzstörungen.

Ich habe damals allen Ernstes über dieses Mittel nachgedacht. Heute bin ich froh, die Hände davon gelassen zu haben. Es ist für mich im Rückblick unglaublich und surreal, dass junge Männer Einschränkungen ihrer Potenz und sexuellen Kraft in Kauf nehmen, nur um ein paar mehr Haare auf dem Kopf zu haben. Viele jammerten, wie schön sie früher gewesen seien und dass sie nun von Frauen als unattraktiv wahrgenommen würden. Einige verloren ihre Freundin und schoben es auf den Haarausfall (und nicht darauf dass sie weinerliche Pussies geworden waren). Es kursierten etliche Verschwörungstheorien, dass die Pharmaindustrie absichtlich kein Mittel auf den Markt bringt, um uns Männer kleinzuhalten. Einer versuchte Selbstmord zu begehen, nachdem er seine Potenz abgeschossen hatte und der Haarausfall trotzdem weiterging.

Es ist für mich ein perfektes Beispiel für die Gefahren, die ein Selbstvertrauen mit sich bringt, das auf Äußerlichkeiten gegründet ist und nicht von innen kommt.

Wir sind körperlich attraktiv oder empfinden ein Gefühl der Macht beim Anblick unseres neuen BMW. Wir erhalten Bestätigung von anderen. Unser Ego bekommt Auftrieb. Wir fühlen uns gut. Doch der Egoboost kann nicht von Dauer sein. Die Natur hat festgelegt, dass alle Dinge und Besitztümer und am Ende das Leben selbst vergänglich sind. Nach Wochen oder Monaten oder Jahren kommt die Natur und nimmt uns ihr Geschenk einfach wieder weg. Entweder auf einen Schlag oder noch schlimmer etappenweise.

Ein etappenweiser Verlust ist grausamer als ein plötzlicher vollständiger Verlust. Bei etappenweisem Verlust hängen wir der äußeren Form noch lange hinterher. Wir versuchen sie um jeden Preis festzuhalten. Statt unsere Energie produktiv zu nutzen, beginnen wir mit der Natur zu kämpfen und zu ringen. Die Natur schert sich natürlich herzlich wenig darum und versetzt uns nur einen schmerzhaften Tritt in den Hintern.

Die Aufrechterhaltung des Status quo kann eine Obsession werden (wie damals mit meinen Haaren), die alle Ressourcen verschlingt und uns viel Zeit und Kraft kostet, bis wir nach langer Zeit endlich das Unvermeidliche akzeptieren und aufhören Widerstand zu leisten.

Ich habe noch sehr lange mit meinem Haarausfall gehadert, bis ich vor 2,5 Jahren endlich die radikale Lösung gewählt und seitdem einmal pro Woche mit einem Haarschneider ohne Aufsatz alles runterhole. Die Rückmeldungen waren zunächst vernichtend. Bekannte verglichen mich mit einem Hooligan. Ich solle mir die Haare unbedingt wieder langwachsen lassen. Außerdem sei meine Kopfform für eine Glatze ungeeignet (eierförmig/rund statt kantig).

Es war trotzdem die beste Entscheidung, weil ich seitdem endlich frei bin und keine Haare mehr im Abfluss zählen muss. Frauen äußern sich selten zu meiner quasi-Glatze. Ich habe den Eindruck, dass es den meisten wirklich egal ist. Ein paar stehen sogar drauf. Aber auch denen ist es letztlich egal.

Eine Frau schaut dir durch die Augen in deine Seele und sie weiß, ob du ein Mann bist oder nicht.

Ich bin mit meiner Pickup Reise noch lange nicht da angelangt, wo ich hinwill. Aber ich weiß, wenn mich etwas aufhalten kann dann sind es Faulheit und Charakterschwäche. Aber niemals meine Frisur.

Schweiger

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4 Gedanken zu “Meine Haare und die Frauen

  1. sehr guter post von dir.
    ich kann ähnliches über mich erzählen. ich hab mich jahrelang wegen meiner zu großen nase geschämt. dachte immer, ich wirke sehr unattraktiv auf frauen. aussehen war mir schon immer sehr wichtig (geh deshalb auch 7 mal die woche ins fitnessstudio und hab mittlerweile einen körper al la brad pit😉 .. war früher dick und will das nie mehr sein

    nur das mit der nase konnte ich nicht ändern. hatte deswegen immer leichte komplexe. hab sogar ersthaft über eine nasen op nachgedacht, aber aus feigheit das immer wieder verworfen.

    meine erste freundin war super schön und total in mich verliebt. konnte mir das nie so recht erklären, warum sie gerade auf mich abfuhr, weil ich ja so ne große nase habe und sogeshen hässlich bin. nach 5 jahren gings auseinander und ich hatte immer noch komplexe wegen meiner nase. dann wieder ne beziehung über 2 jahre, auch sie war hübsch. wieder redete ich mir ein, dass es eben glück war, weil ich eben so viele gemeinsamkeiten mit ihr hatte usw.. als dies nach 2 jahren auch weider angefangen hat war ich erstmals ne lange zeit solo und bekam keine ab. dann hab ich angefangen pickup bücher zu lesen und einfach auf scheiß egal einstellung geschaltet. interessanter weise lief es ganz gut. vorallem club game läuft mittlerweile ausgezeichnet. in letzten 3 monaten 6 lays … wobei ich sagen muss, dass ich eben auch sowohl richtig hübsche als auch durchschnittliche hbs laye.
    heute schäme ich mich überhaupt nicht mehr wegen meiner nase. viele haben sogar angst, nach einem kc mit mir mehr zu machen, weil sie denken ich könne ja jede haben und ich würde nur mit ihr spielen wollen😉

    okay…langer post. was ich aber sagen wollte ist, dass man sich durch irgendwelche optischen dinge echt hirnficken kann. mich hat das sage und schreibe 12 jahre lang total gehemmt !!! seitdem ich 16 bin bis 28. 12 jahre. das muss man sich mal vorstellen. und dann erst im alter von 28 merk ich, dass ich gar nicht hässlich bin und auf frauen unheimlich attraktiv wirke.
    was ich aber allen empfehlen kann, versucht trotzdem das maximum aus eurem erscheinungsbild rauszuholen. vorallem ein super durchtrainierter körper kommt bei frauen wirklich super gut an und das kann jeder mit mit fleiss erreichen ( 4 mal die woche 1 stunde fitnesscenter und auf die ernährung achten sollte reichen )

  2. schöne Worte!
    Von solchen Problemen kann ich ein Lied singen.
    Werde auch irgendwann was dazu schreiben.

    Glaube, dass sehr sehr viele Männer, die keine Frauen abkriegen, sich ihre eigene Misere durch Unzufriedenheiten mit ihrem Körper schaffen und das meiste schlechte im Verhalten etc. resultiert dann einfach nur daraus.

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