Und dann sprach er … eine alte Oneitis an.

Es ist 7 Uhr morgens.
Ich warte auf den Zug und vertreibe mir die Zeit mit einem Buch.
Vertreiben ist vielleicht das falsche Wort. Indem ich lese, nutze ich die Zeit.

Morgens fällt es mir immer so schrecklich schwer zu approachen.
Das kommt einfach daher, dass ich meinen schönen Mund einfach noch keinmal aufgemacht habe, höchstens beim Zähneputzen. Das war’s!
Und dann gleich eine Schönheit ansprechen? Muss ja nicht sein …

Ich lese mein Buch und an mir vorbei rauscht eine alte Oneitis.
Vor etwa 2 Jahren habe ich sie gedatet. 4 Dates hat es gegeben. Mehr dazu hier.
Ich kann mit gutem Recht behaupten, dass sie von allen Oneiten, die ich hatte, die mit Abstand heftigste war.

Ich habe wirklich gelitten.

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© Bärbel Taubitz / pixelio.de

All diese Emotionen erwachen wieder, als ich sie sehe. Und es sind wirklich wirklich keine positiven Emotionen.
Es sind Emotionen, die mich daran erinnern, wie ich weggeschmissen und für „nicht gut genug“ befunden wurde.

Vor 6 Monaten, als sie mir das erste Mal am Bahnhof begegnet ist, habe ich sie recht spontan angesprochen. So spontan, dass meine Emotionen
gar keine Chance hatten zu erwachen und mich zu lähmen.
Reden wollte sie nicht mit mir. Sie hatte „keine Zeit“ und musste „schnell zur Arbeit“.

Seit diesem Zeitpunkt habe ich sie ignoriert.
Aber nicht nur sie.
Sondern auch meine Emotionen.

Heute früh war der Zeitpunkt gekommen, wo ich ihnen wieder Aufmerksamkeit schenken wollte.

Wie passend, dass ich grade das Buch „Emotional Freedom“ von Judith Orloff lese.

Ich sehe sie an einem Pfeiler stehen, ignoriere aber zuerst den Gedanken in mir, sie anzusprechen.

Doof (oder auch gut), dass ich gerade bei Kapitel 6 bin, welches da lautet „The First Transformation: Facing Fear, Building Courage“.

Judith Orloff schreibt, dass Angst etwas Gutes ist. Denn ohne Angst könnten wir keinen Mut zeigen.
Und jeder weiß, welch schöne Gefühle entstehen, wenn man mal mutig gewesen ist.
Jeder kennt es. Nach einem Approach. Wenn man sich etwas getraut hat, was man vorher hätte nie wagen wollen.
Angst ist Teil eines spirituellen Weges, einer Transformation.

Wie ich ihre Worte so lese, glimmt in mir ein Licht auf.
Ich spüre, wie vermehrt Energie durch meinen Körper fließt.
Ich merke ein leichtes Kribbeln im Bauch und in meiner Brust.
Ein leichtes Zittern in meinen Muskeln.

Es ist klar, warum diese Gefühle und Empfindungen in diesem Moment entstehen.

Ohne es selber so richtig zu merken, hat sich mein innerer Held gemeldet und möchte den Schritt wagen und der alten Oneitis „Hallo“ sagen.

Ich will aber nicht. Bzw. doch, ich will. ICH WILL!

Die Zeit läuft mir davon. In wenigen Minuten kommt der Zug.
Ich muss diese innere Flamme JETZT nutzen.

Ja, vielleicht klingt das lächerlich und abstrus.
Der liefner, der sonst alle anspricht.
Aber diese Situation ist eine andere.

Ich spüre eine ganze Ladung an Emotionen.
Es ist ein völlig anderes Gefühl, als vor einem „normalen“ Approach.
Bei einem normalen Approach spüre ich vielleicht eine ganz leichte, subtile Angst oder einfach nur Faulheit.

Hier erwacht alles, was ich mit dieser Frau verbinde.
Glück, Leichtigkeit, Trauer, Frust, Leid, Schmerz, Sehnsucht, Angst, Wut. Einfach alles.
Das ganze Paket.
Das ganze verfickte Paket.

Ich lese noch ein paar Zeilen.
Das Kapitel endet gleich.

Ich habe ohnehin nichts zu verlieren. Ich weiß, dass ich auch nichts zu gewinnen habe.
Außer meinen inneren Helden zu feiern und zu stärken.
Ich habe die Wahl: ich kann wachsen oder ich kann kleiner werden.

Ich bin Mut.

Dann kommt der eine Satz, der mich dazu bringt mich zu erheben und es zu wagen.

Judith Orloff schreibt: Our visions of courage are what poet Sarah Teasdale describes as „holy thoughts that star the night.“

„holy thoughts that star the night.“

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Image courtesy of prozac1 / FreeDigitalPhotos.net

FUCK

Ich gehe kurz in mich und überlege mir 2-3 Sachen, die ich sagen werde.
Ich brauche etwas zum Festhalten, denn meine Emotionen sind überwältigend.

Uuund los ….

Ich ziehe ihr den Kopfhörer aus dem Ohr und sage „na, wie geht’s dir?“.
Ihre Antwort: „Du hast dir einen schlechten Tag ausgesucht!“

Kein guter Start.

Wir quatschen trotzdem ein wenig.
Ich merke, dass ich mich unwohl fühle. Ich bin nicht ich selbst.
Ich bin ein bisschen wie der liefner vor 3 Jahren als er needy war.
Sie erzählt mir was sie heutzutage so macht und ich erzähle ihr was ich heutzutage so mache.
Dann kommt der Zug.
Im Zug trennen sich unsere Wege.

Ich setze mich in einen 4er  und spüre wie ich etwas zittere.
Unglaublich, es ist mir ein bisschen peinlich das hier zu schreiben.
Aber irgendwie, warum auch immer, irgendwie ist es ein angenehmes Gefühl.

Ob wir uns wiedersehen werden oder nicht, spielt keine Rolle.
Das einzige, was zählt, ist: Ich habe meine Mission erfüllt.

Noch eine kleine Lehre für jedermann:
Die Situation, wie ich sie an diesem Morgen hatte, nenne ich auch gerne Wachstumssituationen.
In solchen Situationen steht man zwischen Wachstum und Stagnation.

Viel PUAs machen folgenden Fehler:

sie approachen zwar viel, wenn es aber mal wirklich brenzlig, riskant und herzzerreißend wird, ziehen sie ihren Schwanz ein und verlieren ihre Eier.

Und wann wird es brenzlig, riskant und oftmals sogar schwieriger als bei einem reinen Cold Approach?

Wenn es z.B. die süße HB aus dem Freundeskreis ist, auf die man seit Ewigkeiten steht, bei der man aber noch keinen Schritt gewagt hat.
Da man in diesem Fall in eine soziale Struktur eingebettet ist, man die Frau wiedersehen wird, alle davon erfahren werden im Freundeskreis, ist es umso
vernichtender für das Ego, das Risiko einzugehen bei ihr zu verlieren und abgewiesen zu werden.
Aber gerade deshalb sollte man es wagen.
Um zu wachsen.
Und um Mut zu zeigen …

Ihr habt es in der Hand.

Ein süßes Zitat zum Schluss:

„Angst klopfte an die Tür, Vertrauen öffnete, niemand war draußen.“

– liefner

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Ein Gedanke zu “Und dann sprach er … eine alte Oneitis an.

  1. Hey liefner,

    sehr schöner Beitrag und erfasst Alles, worüber ich mir langsam im Klaren werde. Ich habe jahrelang meine Eier verloren und war in Angst gefangen, zum Teil schon eine soziale Phobie, aber ich mache momentan auch eine Entwicklung durch.
    Auch ich spüre immernoch Angst in gewissen Situationen, aber ich bin im Klaren darüber, dass ich nur durch die Konfrontation wachsen kann und das ist eins meiner Ziele, die ich anstrebe. Ich selber zu sein, selbstbewusst mit Eiern in der Hose. Nur so wird man Dinge erleben, an die man sich erinnern wird, wenn man über sich selbst hinausgewachsen ist und eine Transformation durchmacht.

    Ich mein, im Grunde hab ich nichts zu verlieren, denn man bereut ja bekanntlich nur das, was mach nicht gemacht hat und nicht das, was mach gemacht…
    Es ist ein langer harter Weg, aber nur so eröffnet sich ein Weg, den man sich wünscht, bis man zum gewühnschten Ziel kommt.

    Das ist Leben, Gefühle die einen durchdringen und zeigen, was es bedeutet auf diesem Planeten zu wandeln. Nur durch das Er-Leben wird man zur Zufriedenheit finden…

    liebe Grüße

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