Die Illusion des Erfolgsgefühls/ Hedonic treadmill

Folgenden Beitrag habe ich vor über 2 Jahren im Pick Up Forum geschrieben. Die Botschaft bleibt aktuell.
Nur eines hat sich verändert: Ich sehne mich bei Weitem nicht mehr so sehr nach einer „erfüllenden“ LTR wie vor 2 Jahren. Das hat zwei Gründe:
1. habe ich bereits in Ansätzen erleben können, was eine Beziehung ausmacht. Und es hat mir nicht annähernd so viel Spaß gemacht wie Pick Up, etc.
2. ich bin in meinem Selbst viel viel stabiler als noch vor 2 Jahren und brauche gar keine LTR, um glücklich zu sein. Im Gegenteil.

Wir alle kennen es:
das haben zu wollen, was man nicht hat oder das, was man nicht kriegt.

Oft geht das Ganze mit einer Überschätzung desjenigen Zustandes oder derjenigen Sache einher, die man unbedingt haben will.
Die Überschätzung wiederum resultiert einfach daraus, dass man die Sache nicht bekommt.
Die Vorstellung des (positiven) Gefühls bei Erreichen dieses Zustandes ist deshalb oftmals illusorisch.
Psychologen nennen dieses Phänomen auch „Hedonic treadmill“.
Man denkt man wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn man diesen Zustand erreicht und alle Probleme
wären gelöst.

Doch so ist das nicht.

Nicht unbedingt Enttäuschung, aber Ernüchterung macht sich oftmals breit, wenn man eines seiner Ziele erreicht hat.
So glücklich ist man dann doch nicht, und iwie hat sich das Leben gar nicht so sehr verändert, wie man vielleicht gehofft hatte.
Außerdem gibt’s dann ganz plötzlich wieder neue Sachen, die man nicht hat, aber haben will.

In den letzten Jahren ist mir das immer und immer wieder passiert.

Die Begeisterung über die Erreichung meiner Ziele war nie so groß, wie ich vermutet hatte, dass sie es sein würde.
Zwar verschwand das ein oder andere Problem, gleichzeitig kamen aber neue Probleme und Herausforderungen hinzu.

Ich wollte ja unbedingt mal ein Date.
Als es dann so weit war, hatte ich vergessen, dass ich ein Date wollte, und wollte rumlecken.
Als es dann so weit war, hatte ich vergessen, dass ich rumlecken wollte und wollten ficken.
Als es dann so weit war, hatte ich vergessen, dass ich ficken wollte und wollte sie wieder los werden.

Eines meiner einzigen verbliebenen Ziele im Zusammenhang mit der ganzen Pick-Up Geschichte ist es eine erfüllende LTR zu finden.

Unbedingt will ich eine solche LTR haben! Ach, wäre das schön. Endlich richtig glücklich und so!
Ein Kumpel von mir ist auch in einer LTR. So schön! Nur dass er sich jetzt nach Sex mit anderen Frauen sehnt ….

Aber egal. Ich bin mir sicher, dass von allen Dingen, die ich erreicht habe, eine richtig tolle Beziehung das allerschönste wäre.
Habe ich Recht oder bin ich illusorisch? Was ist mit den Problemen, die in einer LTR aufkommen mögen? Alles Gute hat schließlich auch was Schlechtes.

Vielleicht bin ich illusorisch, doch zumindest dränge ich nicht mehr innerlich auf dieses Ziel hin. Es ist ok, wenn ich dieses Ziel in einem Jahr
noch nicht erreicht habe.
Zugegeben: ab und zu werde ich etwas lethargisch. Erst recht wenn ich andere glückliche Paare sehe.
Doch mehr als alles zu versuchen, um dieses Ziel zu erreichen, kann ich nicht.

Wenn ich meine bisherige „Frauenkarriere“ rückblickend betrachte stelle ich fest, dass die Wege zu Erfolgen oftmals länger dauerten als die Erfolge und Erfolgsgefühle selbst.
Abspritzen dauert nun mal nicht so lange.

Wir verbringen mehr Zeit auf unserem Weg zum Ziel als an unserem Ziel. Und das ist ok so. So ist das Leben.

Gerade deshalb sollten wir unsern Weg aber auch zu schätzen lernen. Mit all seinen Aufs und Abs, Flakes und gemütsvernichtenden Abfuhren.
Denn nur wenn wir unsern Weg zu schätzen lernen, können wir unsere Erfolge auch wirklich genießen und überhaupt führen Misserfolge ja oft zu Erfolgen.
Und ja. Es ist ok, wenn uns mal das Herz gebrochen wird.
Der Weg mit all seinen Aufs und Abs, mit seiner Spannung und Ungewissheit hat doch auch seinen Reiz?!
Irgendwann, wenn wir alt sind, werden wir uns vielleicht zurück nach diesem Weg sehnen („Ich will zurück auf meinen Weg. Wo bleiben Spannung und Ungewissheit?“).

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Image courtesy of pixbox77 / FreeDigitalPhotos.net

Also genießt nicht nur eure Erfolge sondern auch euren Weg dorthin und habt nicht immer nur das bloße Ziel vorm Auge.
SO werdet ihr auch weniger enttäuscht, wenn ihr euer Ziel mal nicht erreicht, weil ihr nicht so danach lechzt.

Und überhaupt wird es eurer ganzen Interaktion mit Frauen gut tun. 

– liefner

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2 Gedanken zu “Die Illusion des Erfolgsgefühls/ Hedonic treadmill

  1. Wie wahr!

    Ich hatte letzte Woche einen Makeout und das zum ersten mal seit ich in bei PU aktiv bin. Mein letzter Kuss davor ist Jahre her. Wie ich mich danach gesehnt hatte.

    Ich habe es auch sehr genossen, aber in dem Moment habe ich schon überlegt, wie im mich in Richtung Sex weiterbewegen kann.

  2. immer und immer wieder. das Jagen hinter der Form… Der Glaube: Ich muss nur noch diese Form meiner Lebenssituation hinzufügen und dann bin ich endlich vollständig… Du bist bereits vollständig. Du bist mehr als ein NC, KC, FC. Du bist die Stille, die du bist.

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