Die wichtigste Erkenntnis

Ich habe letztens überlegt welche Erkenntnis der letzten 5-6 Jahre PU und Self-Help für mich eigentlich die bedeutendste gewesen ist.
Eskalation, Willenskraft, … es gibt zig Konzepte, die mich wirklich auch nachhaltig beeinflussen konnten und viel genutzt haben.

Aber die absolute Nr.1 ist folgendes:

Nicht-Identifikation mit Emotionen und Gedanken

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Image courtesy of Stuart Miles / FreeDigitalPhotos.net

Früher habe ich mich total mit meinen Gefühlen identifiziert. Wenn ich mich beispielsweise schlecht gefühlt habe, dann konnte ich mich von dem Gefühl nicht distanzieren. Das negative Gefühl hat mich dann komplett übernommen. Ich war dann dieses Gefühl. Ich war Traurigkeit. Ich war nicht traurig, sondern ich war Traurigkeit. Damit einher gegangen ist auch immer ein Gefühl von Hilfslosigkeit. Wenn ich keinen Einfluss auf meine Emotionen habe, dann bin ich ihnen schließlich ausgeliefert. Wenn ich mich schlecht gefühlt habe, dann habe ich immer gedacht, dass dieser Zustand nie zu Ende gehen würde. Heute kann ich mich davon distanzieren. Das bedeutet nicht, dass ich nicht mehr fühlen würde. Natürlich fühle ich mich an manchen Tagen schlecht oder bin mal traurig oder deprimiert, aber diese Emotionen haben mich dann nicht mehr unter Kontrolle. Ich fühle die Emotion, bade in ihr, aber dann lasse ich sie los. Ich weiß heute auch, dass Emotionen nie dauerhaft sind. Ich fühle mich jetzt vielleicht schlecht, aber dieser Zustand wird niemals von langer Dauer sein.

Ähnlich hat sich auch mein Verhältnis zu meinem Denken und meinen Gedanken verändert. Ganz unbewusst habe ich gerade „Verhältnis zu meinem Denken und meinen Gedanken“ geschrieben. Da liegt auch schon der entscheidende Punkt. Ich bin nicht meine Gedanken, ich habe lediglich ein Verhältnis zu meinen Gedanken. Wenn ich mir denke „Mein Bauch ist fett“, dann kann ich darüber lachen, weil es wenig mit mir selbst zu tun hat und völlig subjektiv ist. Es sind nur meine Gedanken, die das sagen. Wenn ich mir denke „Die ist viel zu heiß für mich“, dann nehme ich diesen Gedanken einfach nur wahr. Ich stehe aber über ihm auf einer Metaebene und weiß genau, dass dieser Gedanke nicht die Realität ist oder sein muss und versuche mein Glück trotzdem.

Natürlich falle ich manchmal in alte Verhaltensmuster. Aber es passiert mittlerweile sehr selten. Als ich mit Schweiger z.B. letztes Jahr im Urlaub war und mein Koffer auf der Rückreise verschwunden ist, da hatte es mich voll umgehauen. Da war ich dann völlig identifiziert mit meinen Emotionen und Gedanken. Als wenn ein verlorener Koffer mein Leben verändert hätte …

– liefner

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31 Gedanken zu “Die wichtigste Erkenntnis

  1. Guter Post!🙂

    Eine meiner wichtigsten Einsichten war „Happiness is a choice“. Es (Glücklichsein; jede Emotion) passiert nicht einfach, es ist (eigentlich) an nichts Externes gebunden, es ist eine Entscheidung. Mit allen Implikationen.
    Eine soche Entscheidung ist aber nicht immer einfach zu treffen.😛

    • also wenn ich mich entscheide dazu glücklich zu sein bin ich es? und wenn ich mich dazu entscheide traurig zu sein dann bin ich es dann auch? ist das nicht eher davon abhängig was einem passiert? find dieses ganze selbsthilfe, esoteriker, pickupforum-gelaber immer bischen schwammig…

      • > also wenn ich mich entscheide dazu glücklich zu sein bin ich es? und wenn ich mich dazu entscheide traurig zu sein dann bin ich es dann auch?

        Ja

        > Ist das nicht eher davon abhängig was einem passiert?

        Muss es nicht. Es kommt darauf an, wie Du Ereignisse bewertest. Du musst Dich z.B. nicht über Kleinigkeiten ärgern, wenn Du nicht willst. Bei schwereren Ereignissen ist das natürlich nicht leicht; oder Du schaffst es gar nicht.

        Am Ende hast Du trotzdem die Wahl, wie Du Dich (im Allgemeinen) fühlen willst.

        > find dieses ganze selbsthilfe, esoteriker, pickupforum-gelaber immer bischen schwammig…

        Ja😛
        Die menschliche Psyche ist halt keine Maschine :DD

        • naja ich habe eher die erfahrung gemacht, dass wenn es gut läuft fühle ich mich gut und wenn es schlecht läuft fühl ich mich auch net so gut.

          ja auch so ein phänomen, dass man in der szene iwie alles psychologisieren muss…

          • ja, so geht es wohl jedem. du hast trotzdem die wahl. die frage ist ja auch, wie tief dich irgendwelche emotionen erreichen… es ist nicht ein 0% oder 100% ding. alle graustufen dazwischen gibt es auch. sich einfach von einem rückschlag schneller erholen ist auch schon einiges wert🙂

            ich sehe mich nicht als teil einer „szene“. ich lese nur einen sehr guten blog😛

            • naja ich finde halt einfach nur dass du eben nicht die wahl hast, weil das einfach abhängig vom Ereignis ist. Verliere ich nen Koffer hey ganz ehrlich scheisse. krieg ich krebs, ist das eine katastrophe.

              aber der blog ist echt nice da geb ich dir recht😛

  2. fex beschreibt es ganz gut,
    ich gebe aber auch Anonym Recht.

    Ich sage aber auch nicht, dass man seine Emotionen völlig kontrollieren könnte. Das ist ja auch gar nicht Ziel der Nicht-Identifikation mit Emotionen (die natürlich oft von äußeren Ereignissen verursacht werden). Ziel ist es bloß sich nicht mehr von ihnen vereinnahmen zu lassen, das bedeutet fast jederzeit eine Außenperspektive einnehmen zu können und die eigenen Emotionen zu beobachten als etwas was da ist, was aber nicht man selbst ist.

    • jetzt sprech ich 1000 weiber an. ficke nicht eine einzige. fühle mich schlecht. beobachte meine emotionen. fühle mich aber immernoch scheisse. die emotionen sind nicht ich selbst. das ändert aber nichts daran dass ich mich scheisse fühle oder? das ist kein bashing oder so nur ich sehe im moment nicht so recht wie ich davon profitiere😛

      • du kannst dich nicht so scheiße fühlen, wenn du die außenperspektive einnimmst und deine emotionen beobachtest, wie wenn du voll ihnen drin wärst.
        Das ist auf jeden Fall ein Gewinn an Freiheit.

        Dieser Gewinn ermöglicht es dir mit der Situation besser und konstruktiver umzugehen und beispielsweise nicht in eine Phase der Depression und Hoffnungslosigkeit zu verfallen

        • ich bin momentan so erfolgreich wie nie aber mein naturell ist jedoch trotzdem eher depressiv. ich hab einen kumpel der hatte letztes jahr das wohl schlimmste seines lebens und war trotzdem immer ganz gut drauf. ich glaube man kann die diskussion so in etwa komplett abkürzen und somit wär das auch unabhängig von den von mir vorhin erwähnten Ereignissen: unglückliche menschen bleiben unglücklich, egal was ist. glückliche menschen bleiben glücklich, egal was ist.

          • „egal ob man glaubt, man kann es, oder man kann es nicht. man hat immer recht“

            die erkenntnis „happiness is a choice“ (das ist übrigens wissenschaftlich bewiesen. google mal danach). kommt nicht über nacht. es ist ein prozess. vor 2 jahren war ich auch auf deinem standpunkt.
            es geht nicht immer; und selten zu 100%. man kann aber besser darin werden. und wie liefner schon sagte, geht es auch nicht um die totale emotions kontrolle. es (mir) geht es darum, sich (mir) nicht selbst im wege zu stehen (es läuft eh nix; heute geht alles schief; keiner mag mich; mimimi :D)
            und, ganz praktisch gesehen: positive emotionen -> mehr erfolg (nicht nur bei frauen)

            btw. deine eigene einstellung bzw autopilot-gedanken zu erkennen, ist schon mal der erste schritt. irgendwann blickst du hinter deine mentalen filter. dann fängst du von selber an, sie zu ändern. beobachte deine gendanken genau. mir hilft das. oft merke ich „was denkst du gerade eigentich für einen bullshit“, und manchmal „oho, guter autopilot-gedanke!“😀

  3. Auf zwei Sache möchte ich explizit eingehen. Erstens ist der erste Satz einfach falsch. Nur weil du glaubst du kannst Profifußballer werden, wirst du es noch lange nicht. Nur weil du glaubst du wirst eh als penner enden, wirst du es nicht automatisch. Ich habe das schon mal im pu Forum kritisiert und wurde heftig gebasht. Das wurde sogar als Ursache für meinen damaligen Misserfolg diagnostiziert. Jetzt hab ich eig jede Woche eine neue und denke noch immer so! Die zweite Sache ist: positives Denken -> mehr Erfolg…das ist leider nicht wahr. Es ist meiner Erfahrung nach nämlich genau andersrum! Mehr Erfolg-> positives bzw. positiveres denken. Wobei das komplette Konzept des positiven Denkens Schwachsinn ist. Wenn du ein Bein verlierst wird das Wissen darüber dass du ja noch ein zweites hast dich kaum trösten. Wir Menschen reagieren auf Verlust viel viel intensiver als auf Gewinn.

  4. ich glaub in Sachen glücklich sein muss man auch die biochemische Variable miteinbeziehen. Wenn in meinem Leben alles gut läuft hab ich trotzdem regelmäßig 2-3 Tage wo ich grundlos einfach schlecht gelaunt und unzufrieden bin; das für ich dann immer auf hormonelle Schwankungen zurück. (Männer haben ja angeblich durch Testosteron-Schwankungen auch sowas wie ne Periode).
    Außerdem braucht man Tiefen um die Höhen überhaupt wahrzunehmen.
    Ich denke auch, dass die Menge an Dopamin die ein Hirn ausschütten kann vorbestimmt ist. Daher frage ich mich manchmal wie glücklich ich potentiell überhaupt werden kann und wie lange das Hirn in der Lage ist auf entsprechend hohem Niveau Glückshormone auszuschütten.

    Aber hast du aufjedenfall ein diskutables Thema in die Runde gehaun liefner

    • Es ist definitiv genetisch bestimmt. Außerdem gibt es sowas wie „glücklich sein“ nicht. Du kannst soetwas wie innere Zufriedenheit spüren aber so richtig glücklich ist wohl niemand. Dazu sind wir auch nicht gemacht, wir sind auch nur Tiere, als wären Tiere „glücklich“. Nene so ist das nicht.

    • du sprichst mir aus der seele bbm. genau so seh ich das mit meinen 35 jahren auch.
      letztendlich ist es die biochemische variable. auch wenn das natürlich kein psychologe der welt einsehen würde.
      mir geht es genauso. es gibt tage, da fühl ich mich hammer gut und tage, wo ich mich selber frage warum ich mich gerade so mies fühle. äußeres beeinflusst mich gar nicht so wirklich ( ok, klar .. wenn du am tag zuvor was mega mega geiles erlebt hast, bist am folgetag meist auch gut drauf ). aber die grundstimmung wird von den hormonen beeinflusst. gehst z.b ins fitness, trainerst hart, dann fühlst du dich dannach auch mega gut. und das leigt nur an körper eignene prozessesn und hat nichts mit deinem gehirn zutun. so einfahc ist das.

      und ja … ohne tiefen auch keine höhen. und genau das vergessen die vielen „wie man sich immer glücklich fühlt “ buchautoren.

      und liefner … kann es sein, dass du zu viel die kraft der gegenwart von tolle gelesen hast ? das was du schreibst errinert mich schon sehr sehr stark an seine sichtweise der dinge🙂 … wobei ich leider nur 50% von dem buch wirklich verstanden hab. aber ich versteh schon was du meinst. dieses denken .. wie soll man sagen … du bist du .. dein verstand ist nur ein werkzeug .. höre im ab und zu zu .. aber lache auch über ihn … vereinfacht auch bei mir hin und wieder das leben. vor allem in extrem situation nutzte ich dieses konzept. erleichtert das leben tatsächlich

      • Oli, wir sind alle auf dein erstes Buch gespannt! Kein theoretisches Gelaber, sondern von einem Action taker
        eine Frage: Bist du reich geworden oder auf die Welt gekommen?

        • ich und bücher schreiben ? oje .. lieber ned.
          reich geworden … wieso willst das wissen ? aber schwierig zu sagen, hatte gute vorrausetzungen und dann das maximale rausgeholt

      • Klar spielt biochemie auch eine rolle. und ist gleichzeitig auch beeinflussbar (wie du schon sagst: z.b. workout).
        trotzdem kannst du deine (aktuellen) physischen grenzen auch mit mentalem werkzeug ausbauen/ausreizen/whatever. am ende zählt halt die summer aller dinge.

        • ja, das glaub ich auch. aber den ahuptanteil ( bei mir sicher 90%) wird einfach von körpereigenen prozessen bestimmt. ich merks immer wieder. gestern war ich aus irgendwelchen gründen extremst mies gelaunt und heute fühle ich mich super mega gut. obwohl sich null geändert hat. echt merkwürdig.

          • Schweiger sagt immer ihm geht es auch so, seine Stimmungsschwankungen, so sagt er, sollen aber wohl sogar innerhalb eines einzigen Tages mehrfach komplett umschlagen. Ist er normal?

            • interessante Diskussion. Lange Zeit habe ich geglaubt, man könne seinen Gefühlszustand selbst bestimmen. Das was die Self help Literatur propagiert. Mittlerweile glaube ich, dass es sehr wohl genetisch / familiär determinierte Grenzen gibt. Trotzdem sind diese Grenzen so weit, dass es keine Ausrede gibt, nicht permanent an seinem Wohlbefinden zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.

              Wenn ich sehr schlecht drauf bin (was häufig der Fall ist), kann ich mich nach wie vor nicht auf Knopfdruck besser fühlen. Aber wie von Liefner beschrieben hilft die Erkenntnis sehr, dass dieser Zustand nur temporär ist und keine Bedeutung hat.

              Meistens gibt es einen Punkt, wo ich über mich und meine Gefühle zu lachen beginne. Das ist die Talsohle, von der aus es dann wieder aufwärts geht. Selbstironie ist ein wichtiger Schlüssel. Wer über sich selbst lachen kann, wird nie nach ganz unten fallen.

            • Schweiger fasst es gut zusammen im ersten Abschnitt.

              Was ich konkret meine ist: Manchmal geht es mir sehr gut, ich bin tiefen entspannt gut gelaunt (bin ich meistens), und habe soetwas wie „seelen frieden“ (habe ich eher selten). dann ertappe ich mich, wie an mein nächstes problem denke; das gehaltsgespräch am nächsten tag, schon länger kein date mehr gehabt, auto müsste auch mal wieder zur inspektion, blablabla. wenn ich meinem seelen frieden durch diese gedanken nicht selber kaputt machen würde, wäre mir schon viel geholfen.

              ich habe ein ähnliche „problem“ mit zorn. ich rege mich oft über totale kleinigkeiten auf. und wenn ich damit anfange, rege ich mich weiter auf. totale selbst sabotage und total sinnlos. und das muss wirklich nicht sein. ich bin vllt veranlagt dazu, aber ich könnte es auch einfach gut sein lassen.

              ich bin fest davon überzeugt, dass ich durch eine bewusste entscheidung diesen zorn-teufelskreis durchbrechen kann. und genauso kann ich meinen seelen frieden erhalten, indem ich ihn nicht unbewusst-absichtlich zerstöre.

  5. Jetzt check ich was du damit meintest Liefner. Als ich Samstag die eine neben mir hatte und sie nicht bumsen wollte habe ich mich sowas von hilflos gefühlt. Ich habe alles probiert sie rumzukriegen und es hat nichts gebracht. Bis vor kurzem hätte ich mir wohl überlegt mit Pickup aufzuhören und wär min. 1 Woche schlecht drauf gewesen. Diesmal habe ich das Gefühl zugelassen und hab mich erstmal scheisse gefühlt. 1 Tag mei besser als eine Woche oder länger. Habe das Gefühl zugelassen voll und ganz und danach gemerkt, dass es vorbeigehen wird und vorbeigehen muss. Montag war dann alles wieder jut.

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